Kultur : Reise ins Innere

Pallavi ist eine Schönheit, erfolgreich als Sängerin traditioneller Hindu-Musik, sie hat einen liebevollen Mann und ist materiell abgesichert.Mehr kann ein Mensch sich nicht wünschen, möchte man meinen.Wenn aber der Zugang zum eigenen Innersten abgeschnitten ist, nützen alle Güter dieser Welt nichts.

Lange Zeit ahnt Pallavi nur, daß sie sich auf dünnem Eis bewegt.Die Musik, die sie singt, wird seit 5000 Jahren mündlich überliefert: eine enorme Kraft geht von ihr aus, der die Interpretin mit entsprechender Tiefe begegnen müßte.Und das schafft sie nicht.Als ihre Mutter und Lehrerin stirbt, merkt sie, daß sie nie aus deren Schatten herausgetreten ist.Hilfe auf dem Weg zu sich selbst bekommt sie erst, nachdem sich ihre Wahrnehmung der Welt durch deren vollständigen Zusammenbruch verschoben hat.

"Dance Of The Wind" ist einer jener Glücksfälle, die dem Wesentlichen so nahekommen, daß kulturelle Unterschiede zwischen Gesehenem und Betrachter in den Hintergrund treten.In betörend schönen Bildern (Kamera: Piyush Shah) und Metaphern zeigt Rajan Khosa eine Reise ins Innere, die jeder Mensch unternehmen muß, wenn er zu echter Ausdrucksfähigkeit finden will.Anstatt esoterisch oder grüblerisch zu werden, paßt der Regisseur mühelos jahrtausendealte Klänge und Gedanken in einen modernen Kontext ein.Erstaunlich ist das.Und ungeheuer tröstlich. S.N.

Filmbühne am Steinplatz, fsk Oranienplatz (beide OmU), Hackesche Höfe

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