Reisefieber (1): Start in unsere Sommerserie : Träge Tropen

Ein Ausnahmezustand namens Reisen: In den Sommerferien erzählen wir davon – in lockerem Abstand, persönlich und mit erhöhter Temperatur.

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Morgennebel über dem Regenwald in Ecuador.
Morgennebel über dem Regenwald in Ecuador.Foto: imago/imagebroker

Diese Luft, die mir entgegenschlägt, wenn das Kabinenklima Kontakt aufnimmt zum Draußen: eine Wand aus Wärme, unsichtbar. Kurzer Unglauben des Körpers, zwei, drei Schritte hinaus auf die Stufen einer rostzerfressenen Gangway. Und schon umfängt mich die Wärme ganz.

Von nun an bin ich im Fieber. Und das heißt, bis zuletzt. In der Hitze und der feuchten Schwere zugleich, die mich durchdringt und verwandelt in ein träges Tier. Ein Chamäleon, das nicht die Farbe der Umgebung annimmt, aber den Atem, den Puls. Schlägt mein Herz schneller, schlägt es langsamer? Nur dass es anders schlägt, weiß ich, vom ersten Schlag an.

Eine tropische Nacht genügt, und anderntags gehe ich durch Städte mit verschleiertem Blick. Bleibe stehen, halte mich auf und lasse die Bilder und Geräusche und Gerüche einströmen in mich in Celsius mal Prozent Luftfeuchtigkeit hoch Schmutz geteilt durch Traum. Verlangsamt mein Lidschlag, und ich trinke die Welt mit den Augen.

Schweißnass das Shirt, die Hose, das baumwollene Wenig, das der Körper noch zulässt zwischen sich und der Luft. Doch täglich stürzt Regen vom Himmel, ich gehe in ihn hinein und unter ihm her und beschleunige nicht den Schritt. Die Feuchtigkeit kühlt nicht, sie wäscht. Für einen rauschenden Augenblick geht sie von der Verheißung ins Flüssige über.

Tropenregen über Grenada.
Tropenregen über Grenada.Foto: imago/Bluegreen Pictures

Etwas Vorgeburtliches ist es, worin ich schwimme in diesen tropischen Tagen. Manchmal treibe ich an Meersäume und schmecke das Neue mit Salz ab. Meist ist der Himmel grau, aber mir fehlt nichts, auch das macht das Fieber. Die Wolken schützen vor der weißen Sonne: Den Mittag vertrödelt sie in obersten Wipfeln, wechselt spät in den Sinkflug und stürzt lotrecht ins Meer.

So gehen solche Reisen. Zwei Wochen, zwei Leben oder drei oder vier. Mitzubringen von dort? Eigentlich alles. Nur dass ich es nicht anwenden kann in unseren wohltemperierten Breiten, und verschenken ebenso wenig. Nicht dass es abstirbt im Kühlen, es zieht sich zurück in den Körper, ins Kopfinnerste, oder war es das Herz. Niemand vermisst nichts, es gibt keine sichtbaren Spuren. Und ich bin, wahrscheinlich, wieder der, der ich war.

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