• Reizthema Kunststadt Berlin: Galeristen fordern: Jetzt sind Museen und Institutionen am Zug - Metropole oder Mogelpackung?

Kultur : Reizthema Kunststadt Berlin: Galeristen fordern: Jetzt sind Museen und Institutionen am Zug - Metropole oder Mogelpackung?

Giti Nourbakhsch

Nach wie vor ist die Kunststadt Berlin ein Reizthema. Die Regierung ist am Ort, das "art forum" jährt sich zum fünften Mal - Wie stellt sich die Situation aus Sicht der Galeristen dar? In loser Folge publizieren wir ihre Einschätzungen. D. Red. Es ist notwendig, dass sich noch mehr Berliner, und nicht zuletzt Berliner Museen, entschließen, Kunst zu kaufen um so für die junge Kunstlandschaft Verantwortung zu übernehmen, statt dies überwiegend den Sammlern aus dem Rheinland, Baden Württemberg etc. zu überlassen, denn im In- und Ausland verbreitet sich der Ruf, dass hier gute Kunst gemacht und gezeigt wird. Die Preise für zeitgenössiche Kunst, die wir jetzt in den Ateliers entdecken und zeigen, können in wenigen Jahren um ein Vielfaches gestiegen sein. Meiner Meinung nach waren Galerien, mehr als die Ausstellungsinstitutionen, massgeblich daran beteiligt, Berlin zu einem der wichtigsten Standorte für zeitgenössische Kunst zu entwickeln, und das ist der Grund, warum ich gerne hier bin.

Matthias Arndt

In Berlin hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine der vitalsten Kunstlandschaften selbst erschaffen. Dass diese Entwicklung bisher nur wenig Unterstützung durch die Kulturpolitik erfahren hat, ist ein Versäumnis. Dabei bietet die Kunst enorme Potentiale für die kulturelle Entwicklung der Stadt. Die Galeristen und ein sich langsam aber stetig entwickelnder Markt haben die Künstler nach Berlin geholt. Nun sind die Institutionen, die Museen und Kunstvereine am Zug: Erste Anzeichen, wie der neue Werk-Raum im Hamburger Bahnhof, lassen hoffen.

Angesichts der Möglichkeiten, die Berlins Kunst bietet, wird das Potential nicht einmal annähernd genutzt. Die aktuellen Debatten und wichtigen Ausstellungen finden außerhalb der Institutionen statt. Auf diesem Sektor hat sich also wenig geändert. Es fehlen die Kuratoren, die die institutionelle Szene bauen und beleben. In Chicago strahlt die Arbeit von sechs jungen Ausstellungsmachern an drei Institutionen (Art Institute, MOCA, Renaissance Society) über Amerika hinaus. Das Geld hierfür akquirieren sie selbst aus der Bürgerschaft. Der letzte Kurator dieser Art in Berlin war Hugo von Tschudi und der wurde vertrieben. Die Kraftlosigkeit der Berliner Institutionen sucht international seinesgleichen.

In Berlin wird mit dem Sahnehäubchen begonnen, bevor der Kuchen gebacken ist: Ein Kunstpreis wird initiiert, dessen Vergabe eineinhalb mal mehr kostet, als das Preisgeld. Dabei liesse sich mit dem Gesamtbudget von 250.000 Mark ein ambitionierter Projektraum im Hamburger Bahnhof mit internationalen Gastkuratoren betreiben. Eine andere Möglichkeit wäre der Erwerb repräsentativer Werke der aktuellen Kunst zur Profilierung der Sammlung. Es bleibt zu hoffen, daß ein "Corporate Sponsor" der Tristesse bald ein Ende macht und die Lücke durch ein gezieltes Engagement schließt. Museen und Projekte verzichten noch immer auf professionelle Beratung. Eine Ausnahme und positive Entwicklung: Die Protagonisten der wichtigsten Institutionen haben erkannt, daß die Berliner Kunstlandschaft eine Kommunikationsplattform braucht und vernetzen sich untereinander. Mit neuen Strategien der Kunstvermittlung könnte sich Berlin weiter profilieren und dem internationalen Interesse professionell und serviceorientiert begegnen. Vorausgesetzt natürlich, das Engagement der Teilnehmer findet öffentliche Fürsprecher und private Unterstützung. Der Regierungsumzug und die vielbeschworenen Neu-Berliner aus Politik, Wirtschaft und Medien werden die Entwicklung weiter dynamisieren und internationalisieren. Wenn sie erst angekommen sind und sich installiert haben, sind neue Impulse auch für die Kunstszene zu erwarten. Es liegt dann mehr denn je an der Qualität der Kunstvermittlung wie erfolgreich unsere Galerien, das "art forum", die Berlin Biennale und die Museen sich entwickeln.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben