Kultur : Religiöser Rebell

EVA-MARIA BRANDSTÄDTER

Die Feierlichkeiten zu Ignaz von Döllingers 200.Geburtstag fallen in eine Zeit, in der das Verhältnis zwischen den deutschen Bischöfen und dem Vatikan nicht unproblematisch ist.Daß dieses Verhältnis trotzdem nicht mehr - wie im 19.Jahrhundert - die Gemüter erhitzt und die Zeitungsspalten füllt, liegt in den Geschehnissen jener Epoche begründet.Johann Josef Ignaz von Döllinger wurde am 28.Februar 1799 in Bamberg geboren.Nach dem Studium der Theologie an der Universität Würzburg folgten die Priesterweihe in Bamberg, 1823 erhielt er eine Professur für Kirchenrecht und -geschichte in Aschaffenburg.Drei Jahre später wurde er an die Theologische Fakultät München berufen, wo er bald eine beherrschende Stellung einnahm.In dem von der Romantik geprägten Kreis um Joseph von Görres nahm Döllinger regen Anteil an der Erneuerung kirchlich-katholischen Lebens in Deutschland und Europa: "Es schwebte uns als Ziel eine von den Mängeln und Mißbräuchen gereinigte, dem Ideal der alten möglichst ähnliche Kirche vor; der Aufschwung der theologischen Wissenschaft sollte nach unsrer Meinung notwendig die Reform der Kirche nach sich ziehen." Als Vertreter des ultramontanen (streng nach Rom ausgerichteten) Katholizismus polemisierte er, oft einseitig, gegen staatliche Bevormundung und gegen den Protestantismus, wobei er mit seinen Gegnern nicht zimperlich umging.Heine konterte mit dem Spottgedicht vom "erzinfamen Pfaffen Dollingerius".

Im Revolutionsjahr 1848 gehörte Döllinger als Paulskirchenabgeordneter dem "katholischen Klub" an und wohnte der ersten deutschen Bischofskonferenz im selben Jahr als Berater bei.Am Vorabend des ersten Vatikanischen Konzils geriet er in seinem erbitterten Kampf gegen die Dogmen der päpstlichen Unfehlbarkeit und der alleinigen, obersten Rechtsgewalt in unüberwindlichen Gegensatz zur römischen Kurie.Wie viele andere, die die neuen Dogmen ablehnten, wurden Döllinger exkommuniziert, es kam zur Abspaltung der altkatholischen Kirche und in Deutschland zum preußischen "Kulturkampf" unter Bismarck.

Später Döllinger modifizierte seine Einstellung zum Protestantismus und widmete sich wieder vorrangig einer Annäherung der christlichen Kirchen.Eine Versöhnung mit Rom kam, trotz wiederholter Vermittlungsversuche, bis zu seinem Tod am 10.Januar 1890 nicht mehr zustande.

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