Kultur : Renaissance-Theater: Noch ein verrücktes Paar

Jutta Behnen

Ein ungleiches Paar, diese beiden Männer, die dem Tod von der Schippe springen - fast. Der sensible Unglücksrabe Harold und das dicke Großmaul Frank können nicht mehr ohne einander, seit sie bei einem missratenen Selbstmordversuch Harolds einen unschuldigen Dritten um die Ecke gebracht haben. "Heaven", das neue Stück des in Berlin lebenden britischen Komikers Mark Britton, funktioniert wie eine Boulevardkomödie, gemixt mit Comedy-Elementen und Anleihen beim Film: Walter Matthau und Jack Lemmon lassen grüßen.

Es wurde viel gelacht bei der Uraufführung von "Heaven" im Renaissance-Theater - über Harold, der mit einer Pistole in der Hand nicht mal die passende Stelle am eigenen Kopf findet, über Frank, als er, auf der Stelle rennend, versucht, ein Auto zu erreichen. Am komischsten aber ist Britton, der sich selbst einige Kurzauftritte auf den Leib geschneidert hat: herrlich verknautscht als Columbo-Double, biestig fauchend als Hellseherin Kassandra oder ölig glatt als Radiomoderator. Britton erzählt eine Geschichte, die er bewusst flach hält, um so variantenreicher den Slapstick darauf ausspielen zu können. Seine Akteure Boris Aljinovi¿c, der neue SFB-"Tatort"-Kommissar, und Markus Majowski, freundlicher "Telekom"-Verkäufer aus der TV-Werbung, stehen dem englischen Komiker nicht nach. Mit Aljinovi¿c als Harold und Majowski als Frank hat Britton versierte Charakterdarteller an seiner Seite, die aber insgesamt einen stärkeren Kontrapunkt zu seinen Auftritten setzen könnten.

Eine geglückte Wendung nimmt der Abend nach der Pause: Da sprudeln auf einmal die Theaterideen, verändert sich die Bühnenlandschaft rasant, überrascht das tragische Ende. Und Britton erfüllt dann doch noch seinen eigenen Anspruch einer ernsten Komödie.

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