Retrospektive : Caravaggio in Düsseldorf

Das Museum Kunst Palast in Düsseldorf widmet dem italienischen Maler Caravaggio die bundesweit erste große Retrospektive.

Düsseldorf - Seine Bilder bestechen vor allem durch die Inszenierung von Licht und Schatten. Als virtuoser Lichtdramatiker revolutionierte der italienische Barockmaler Caravaggio (1573-1610) die Malerei und setzte seine zumeist biblischen Motive darüber hinaus äußerst realistisch in Szene: In seinen Bildern haben Heilige schmutzige Fußsohlen, es gibt spritzendes Blut und vom Leben gezeichnete Gesichter. Häufig holte er dazu seine Modelle direkt von der Straße.

Jetzt widmet das Museum Kunst Palast in Düsseldorf Caravaggio die bundesweit erste Einzelausstellung mit dessen Werken. Unter dem Titel "Caravaggio - Spuren eines Genies" sind ab 9. September rund 40 Werke des Künstlers aus internationalen Museen und Privatsammlungen zu sehen. Da von den weltweit knapp 100 Arbeiten Caravaggios viele zu den nicht mehr ausleihbaren Beständen gehören, nahm die Vorbereitung des Projekts mehrere Jahre "Überredungskunst" in Anspruch. "Wir haben glaubhaft gemacht, dass wir einen ernsthaften Beitrag zur Caravaggio-Forschung leisten", erläutert Ausstellungskurator Jürgen Harten den schlussendlichen Erfolg.

Entsprechend führt die Ausstellung über mehrere Themenfelder, die unter anderem "Folter und Martyrium", "Der leibhaftige Christus" oder "Schauspiele der Sinne" heißen, in die vielschichtige Motivwelt und verschiedenen Schaffensphasen des Künstlers ein. Sie spannt damit laut Harten einen Bogen von den frühen Gemälden mit eher weltlichen Themen über kühne Kompositionen wie das Gastmahl Christi in Emmaus bis hin zu den leidenschaftlich-dramatischen Heiligendarstellungen aus Caravaggios letzter Schaffensperiode.

Zu sehen sind so berühmte Werke wie "Johannes der Täufer", "Der büßende heilige Hieronymus" und "Die Gefangennahme Christi". Dass die Lichtsetzungen und Bilderfindungen Caravaggios viele Betrachter an Kino-Effekte erinnern, macht für Kurator Harten klar: "Wenn Caravaggio heute lebte, wäre er wahrscheinlich einer der besten Fotografen oder Filmemacher wie Pasolini etwa."

Original und Kopie

Auch die Frage von Original und Kopie spielt in der Ausstellung eine Rolle. Laut Harten stammt ein Viertel der gezeigten Bilder von unterschiedlichen Malern, wird aber Caravaggio zugeschrieben. Aber "alle ausgestellten Gemälde gelten als Bilderfindungen des Künstlers, ob sie nun eigenhändig oder von fremder Hand ausgeführt sind", ergänzt er. Schon seit Jahrzehnten streitet die Kunstwelt über die Urheberschaft seiner Werke.

Abseits der Bilder bleibt Caravaggios nicht weniger spektakuläre Biografie, die ebenfalls viel Licht und Schatten vereint. Gerichtsakten und Schriftquellen berichten von seinem streitbaren Charakter und von Flucht vor der Justiz, nachdem er im Affekt einen Mann totgeschlagen hatte. 1609 wurde er von Unbekannten überfallen und schwer im Gesicht verwundet. Er starb im Alter von nur 36 Jahren in der Nähe von Rom.

Bis in die heutige Zeit hält die Faszination an dem mysteriösen Künstler an. Der britische Regisseur Derek Jarman etwa landete mit seinem Film "Caravaggio" in den 80er Jahren einen Kassenhit in der Arthouse-Szene. Und pünktlich zur Ausstellung erscheint ein Sammelband mit Kurzgeschichten von Henning Mankell, Ingrid Noll, Florian Illies und anderen, die sich dazu von Caravaggios Gemälden inspirieren ließen. (Von Frank Bretschneider, ddp)

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