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Richard-Wagner-Jubiläum : In der Endlosschleife

03.08.2013 17:10 Uhrvon

Ein Jubiläum ohne neue Erkenntnisse: Auch Stefan Herheim liefert mit seiner „Meistersinger“-Inszenierung in Salzburg nicht den ersehnten Höhepunkt des Wagner-Jahres.

Doch, die Zeichen stehen nicht schlecht, mit einer heißen, stockenden Bahnreise von Bayreuth via Nürnberg nach Salzburg noch zum Höhepunkt des Wagner-Jubiläums zu gelangen. Die beiden Festivals sind sich in steter Konkurrenz um den glanzvollsten Saisonauftakt verbunden. In Salzburg hat man gar das Programm so verbreitert, dass man vor Bayreuth startet und nach dem letzten Takt auf dem Grünen Hügel noch immer spielt. Nun ist Intendant Alexander Pereira darüber gestürzt, seinen Etat noch weiter ausdehnen zu wollen. Er zieht weiter nach Mailand, wo er es mit weit schwierigerem kulturpolitischem Terrain zu tun bekommt – und mit Daniel Barenboim, dem Musikchef der Scala.

Das heißt auch: Pereira kann sich auf reichlich Wagner einstellen.

Zum 200. Geburtstag hat er ihn prominent ins Salzburger Programm gehoben, mit einer Neuinszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“. Die dirigierte zuletzt Wilhelm Furtwängler an der Salzach, anno 1938. Ein konzertanter „Rienzi“ unter Philippe Jordan in der monumentalen Felsenreitschule folgt noch. Als Regisseur gelang es Pereira, Stefan Herheim zu gewinnen, der vor zehn Jahren mit einer „Entführung aus dem Serail“ in Salzburg für Tumulte sorgte. Seitdem zieht er von Triumph zu Triumph: Bis 2021 sei er nun ausgebucht, erklärte der 43-Jährige unlängst. In Bayreuth inszenierte er „Parsifal“ 2008 mit einer Fülle an Gedankenfetzen, unmittelbar sinnlich, anregend und konsequent aus der Partitur entwickelt. Das schürt Erwartungen, selbst in Salzburg, das keine Wagner-Tradition kennt und dessen Publikum bittschön nicht mit echten Wagnerianern zu verwechseln ist. Dafür braucht man ins Große Festspielhaus kein Sitzkissen mitzubringen.

Heil-Rufe, bis der Vorhang fällt

Wie will man „Die Meistersinger von Nürnberg“ je wieder inszenieren, ohne sich der Tatsache stellen zu müssen, dass ihre Aufführung fester Bestandteil der Reichsparteitage war? Wie damit verfahren, dass Hans Sachs in seiner Schlussandacht eindringlich vor „welschem Tand“ warnt und daraus folgert: „Ehrt Eure deutschen Meister, dann bannt Ihr gute Geister!“. Heil-Rufe, bis der Vorhang fällt, sind der konsequente Schluss. Stefan Herheim bedient sich für seine Inszenierung eines Kniffs, der Wagner wieder zurücksetzt, in ein Stadium relativer Unschuld. Seine „Meistersinger“ spielen zur Zeit ihrer Entstehung, in einem politisch desillusionierten Biedermeier. „Eine Kindheitsgeschichte des Deutschtums“ will Herheim erzählen, ein putziges Märchen von Männergesangsvereinen in einer leicht überreizten Gesellschaft, die mit der Schlafmütze auf dem Kopf von einer Nation träumt.

Dabei bedient sie sich bei Büchern, die eine vermeintlich deutsche Gedankenwelt festhalten wollen, kurz bevor sie mit der Industrialisierung für immer schwindet. „Des Knaben Wunderhorn“ oder die Märchensammlung der Gebrüder Grimm bevölkern in mannshohen Ausgaben die Bühne, dienen als Gesangspodium oder Tafel zum Erfassen von Regelverstößen. Es scheint, als geschehe alles unter dem Einfluss des in diesen Folianten imaginierten Volkstons. Ihre Figuren erwachen sogar zum Leben und stürzen die Szenerie in heilloses Durcheinander, mit geilen Zwergen, poppenden Puppen und fickenden Fröschen, die partout nicht zu Prinzen werden wollen. Nein, das ist keine Rückkopplung von Frank Castorfs sporadisch lüsterner Götter-Niedertracht im „Ring“, drüben auf dem Grünen Hügel.

Herheim wendet in Salzburg zudem Wagnerregiehilfsmittel Nummer zwei an: Alles ist nur ein Traum – wie wir es im „Fliegenden Holländer“ gewohnt sind und auch für „Lohengrin“ heuer ohne Widerstände zur Kenntnis nehmen. Wer hier allerdings träumt, lässt sich nicht bis ins Detail ergründen, die Regie bleibt seltsam unscharf. Gehen wir einmal davon aus, dass Wagner, Sachs und Beckmesser Aspekte einer Person sein könnten. Sie erschafft unter Anfällen von Unmut das Spiel um die deutsche Kunst als erträumtes Zentrum eines Gemeinwesens. Daher muss Hans Sachs (Michael Volle) auch extra viel poltern, spürt er doch, dass es sich lediglich um die Projektionen eines politisch Resignierten handelt, der allein in ästhetischer Ordnung sein Heil sucht.

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