Kultur : Richtig wichtig

Michael Schmid-Ospach, Chef der Filmstiftung NRW, verteilt viel Geld

Matthias Oloew

Wer kann für sich schon sagen, er habe drei Filme im Wettbewerb der Berlinale? Nicht mal George Clooney kann das. Aber Michael Schmid-Ospach. Er ist weder Regisseur noch Schauspieler, er ist auch kein Produzent. Michael Schmid- Ospach, 60, ist Geschäftsführer der Filmstiftung NRW und damit der wichtigste der deutschen Filmförderer. Kein anderes Bundesland gibt so viel Geld dafür aus wie Nordrhein-Westfalen. 36 Millionen Euro. Ohne Leute wie ihn läuft im deutschen Film fast nichts. Daher kennt ihn auf dem Festival fast jeder: Wo er auch langgeht, schüttelt er Hände, grüßt in die Runde oder sagt schnell „Hallo“. Aber er ist niemand, bei dem Fotografen draufhalten. Schmid-Ospach ist einer der unsichtbaren Granden des Festivals: immer da, aber nie im Scheinwerferlicht.

Daran ändert auch seine Rolle als zweitgrößter Gastgeber der Berlinale nichts. Heute lädt Schmidt-Ospach zusammen mit dem Düsseldorfer Minister für Bundesangelegenheiten in die NRW-Landesvertretung. Über tausend Gäste werden kommen, ganz überwiegend deutsche Filmprominenz, aber auch die europäischen Shootingstars. Nach dem Eröffnungsempfang der Berlinale ist diese Fete, was die Länge der Einladungsliste angeht, nicht zu schlagen. Der Filmstiftungs-Chef ist in Feierstimmung: Sein Laden wird in den nächsten Tagen 15 Jahre alt.

Aber das ist für ihn nur eine Formalie. Viel wichtiger sind die drei Wettbewerbsfilme, in die die Filmstiftung Geld investiert hat. Neben Oskar Roehlers gestern gezeigtem „Elementarteilchen“ ist das auch „Der freie Wille“ von Matthias Glasner mit Jürgen Vogel in der Rolle eines Sexualstraftäters und der argentinische Beitrag „El Custodio“ – die Filmstiftung ist Koproduzent.

Dass es dem deutschen Film offensichtlich wieder so gut geht, dass er sogar viermal im Wettbewerb vertreten ist, bestätigt Schmid-Ospach in seinem Kurs und dem Gespür seiner Filmförderer für Themen und Filmemacher: „Wenn wir uns heute wundern, warum es der deutsche Film unter der Festivalleitung von Moritz de Hadeln schwer hatte, müssen wir ehrlich sagen: de Hadeln hat diese Auswahl an deutschen Filmen gar nicht gehabt.“

Ein deutlicher Hinweis auf das Zusammenspiel zwischen deutschen Filmförderern und der Festivalleitung der Berlinale ist das. „Nur wenn wir gut sind, kann Dieter Kosslick sehr gut sein“, sagt Schmid- Ospach. Er hat übrigens Kosslick beerbt. Als Kosslick vor gut fünf Jahren Berlinale-Chef wurde, rückte der gelernte Journalist und ehemalige stellvertretende Fernsehdirektor des WDR Schmid-Ospach auf dessen Posten bei der Filmstiftung NRW.

Die Arbeit der Filmförderer und des Festivals gehe Hand in Hand, sagt Ospach beim Kaffee in der Lounge des Grand Hyatt. Direkte Absprachen über Filme und Filmemacher gebe es aber nicht, versichert Schmid-Ospach. Das letzte Mal, dass sich Kosslick und Schmid-Ospach vor dem Festival trafen, war bei Kosslick zu Hause, aber trotzdem völlig unverdächtig. „Kosslick hat gekocht und ist dauernd in die Küche aufgesprungen“, sagt Schmid-Ospach, „Gott sei Dank ist nichts angebrannt.“

Die Berlinale ist, auch wenn der Eindruck mit zahlreichen Partys und Empfängen täusche, „eine intensive Arbeitswoche.“ Am Freitag zum Beispiel hat er auf dem Europäischen Filmmarkt im Martin-Gropius-Bau die deutschen Filmförderer beim Messerundgang von Kanzlerin Merkel vertreten. Zwischendrin gibt es auch Strategiebesprechungen. Da berät er Filmemacher, wie sie ihren Film am besten am Markt platzieren. Die Angst der Deutschen vor dem Kommerz sei vorbei, so Schmid-Ospach.

Weil er der Mann mit dem Geld ist, „kann ich mich über Zuwendung nicht beklagen“, sagt Schmid-Ospach. Aber die Rollen im deutschen Filmbusiness sind für ihn klar verteilt: „Die Eminenzen, das sind die Schauspieler. Wer sich von uns als Sonnenkönig fühlt, ist schon ein bisschen gaga.“

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