Kultur : Richtige Musik am falschen Platz

Hans Von Seggern

"Ladies and Gentleman. Weee giiive yoouu Rockers Hiiifiiiii..." Die Stimme aus den Boxen zerdehnt die Silben und leiert sirenenhaft aus höchsten Höhen zu Boden, Bilder von Albert Einstein und Animationen mit wackelnden Zigaretten-Packungen huschen vorbei. Erst nach einer kurzen Weile erkennt das Publikum in der Columbiahalle auf einer Nebenbühne die Stars: Das Birminghamer Duo Glyn Bush und Richard Whittingham mit ihrem MC Farda P, besser bekannt als Rockers Hifi, das seinen Auftritt mit einer Dub-Version des Isaac-Hayes-Klassikers "Shaft" eröffnet. Bush und Whittingham wirken gelassen bis spannungslos. Das ist kaum verwunderlich, haben die beiden gegen DJ-Hektik doch ein probates Mittel: die selbstgebrannte CD mit dem vorfabrizierten Mix, die im richtigen Moment mehr oder minder unbemerkt eingelegt wird. Doch auch die mitunter etwas ermogelte Sound-Perfektion vermag die matt mitwippende Menge nicht in Schwung zu bringen, da eine Halle mit dem Charme eines Hangars nicht gerade Party-Atmosphäre aufkommen lässt. (Hat Berlin nicht so manche heimelige Location für TripHop-Parties? Das Kesselhaus zum Beispiel. Oder den Pfefferberg.) Einziger Trost der müde mitwippenden Menge ist der zweite Haupt-Act des Abends: Nightmares on wax, die als sechsköpfige Band alles bieten, was TripHop ausmacht - einen bohrenden Bass, repetitive Gitarrenfiguren, einlullende Keyboard-Akkorde und manisch zischelnde Hi-hats. Schade nur, dass das Publikum bis zu diesem Auftritt knapp drei Stunden Wartezeit zu absolvieren hatte. Die richtige Musik am falschen Platz.

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