Kultur : Rieselnde Kristalle

ISABEL HERZFELD

Georg Sava ist kein Routinier.Der aus Rumänien gebürtige Pianist, seit zwei Jahren Professor an der Musikhochschule "Hanns Eisler", machte bisher eher durch die Karrieren seiner Schüler als durch eigene Konzerte auf sich aufmerksam.Doch einen pianistischen Kraftakt wie die "Hammerklaviersonate" von Ludwig van Beethoven soll ihm erst einmal jemand nachspielen.Sava imponiert, indem er wirklich jeden Ton dieser fast undurchdringlich-komplexen Strukturen glasklar zur Geltung bringt.In erster Linie ist dies seiner Fähigkeit zu farbenreich-polyphonem Spiel zu verdanken.Sicher, nach der siegreich geschmetterten Anfangsfanfare könnten die herabrieselnden Kreiselfiguren eleganter funkeln, bleibt alles ein wenig verbissen.Doch im Finale wird offenbar: Die Anstrengung ist diesem Werk einkomponiert.Die schnurrigen Läufe, die grimmig wühlenden Triller bietet Sava mit großartiger Konsequenz, immer noch steigerungsfähig bis zum letzten orchestralen Baßtremolo.Auch mit klugem "Timing" trifft Sava - etwa in den wütend nach dem "richtigen Ton" stochernden Oktavrepetitionen vor der Fuge - die Substanz.Über welch langen Atem er verfügt, wie er den Klang von der Tiefe her zur weich schimmernden Oberstimme hin weit aufzufächern vermag, zeigt das Adagio.Und richtig zu Hause ist Sava bei Béla Bartók.Die "Improvisationen über ungarische Bauernlieder" op.20 erklingen zwar mit dissonanzenscharfer Sprödigkeit, doch können sich gerade daraus die urprünglichen Folklore-Themen als kapriziöse, skurrile, liebenswürdige Charaktere herausschälen.

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