Kultur : Ringen um den Ruf

Frederik Hanssen

Das Buch heißt "Magie des Zusammenklangs" - und produziert doch jede Menge Misstöne: Claudio Abbado hat die Auslieferung der Biografie, die Christian Försch über ihn geschrieben hat, per einstweiliger Verfügung gestoppt - sehr zum Ärger des Berliner Henschel Verlags. Denn bei den 23 Unwahrheiten, die das Gericht in der Publikation feststellte, handelt es sich um "Lappalien". So formulierte es Verags-Anwalt Hermann-Josef Omsels bei einem Pressetermin. Abbado widerspreche in der eidesstattlichen Erklärung eigenen Interview-Äußerungen. Er habe darum Strafanzeige gegen den Dirigenten wegen Falschaussage erstattet. Es gehe Abbado nicht um Recherchefehler, so Omsels, sondern darum, das ganz Buch zu verhindern. Nach dem Pressetermin unterstrich der Anwalt des Dirigenten, Peter Raue, vor der Tür gegenüber den Journalisten den Standpunkt seines Mandanten.

Ein langwieriger, unerfreulicher Rechtsstreit kündigt sich hier an - bei dem der Henschel Verlag nur verlieren kann. Denn selbst, wenn es ihm gelingen sollte, die Auslieferung des Titels durchzusetzen, könnte der Streit um eine Biografie, dessen Autor tatsächlich nie mit Abbado gesprochen hat, den Ruf des seriösen, in Fachkreisen geschätzten Verlages beschädigen. Bei Henschel haben im Produktionsprozess mindestens zwei Kontrollinstanzen versagt: Zunächst der Lektor, der nicht erkannte, dass sich Abbado nie auf den Standpunkt stellen würde, die Zeitungen würden dieses von bitterbösen Unterstellungen wimmelnde Lebensbild schon in ihren Rezensionen relativieren. Dann aber auch die Geschäftsführung, die sich dagegen entschied, die Veröffentlichung des bereits fertiggestellten Manuskripts zu verschieben, als sich Abbado nach langem Schweigen schließlich noch zu einem Interview bereitfand. Hatte der Verlag deshalb den Autor nicht zum Pressegespräch eingeladen?

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