Kultur : Ringkämpfe

Traumhafte Preise für Kunstgewerbe bei Lempertz

Michaela Nolte

Gleich mit der ersten Losnummer, einem Tafelring für die Hofküche Friedrichs I., nahm die Versteigerung mit historischem Berliner Kunstgewerbe im Berliner Kunsthaus Lempertz ihren souveränen Auftakt. Ein Würzburger Kunsthändler verdoppelte den Schätzpreis für das seltene Stück aus einer Delfter Manufaktur im Wettstreit mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und bekam den Zuschlag bei 9200 Euro.

Die Berlin-Brandenburgischen Sammlungen konnten sich im Gegenzug eine allegorische Figurengruppe der vier Elemente zur oberen Schätzung von 15 000 Euro sichern, während der Händler wiederum hartnäckig einen Teller mit großem Preußischen Staatswappen ersteigerte. Mit 8000 Euro hatte Henrik Hanstein das einstige Geschenk der Königlich Preußisch Asiatischen Compagnie an Friedrich II. aufgerufen. Am Ende des langen Bietgefechts gab der Inhaber des Kölner Kunsthauses das Gebot dann allerdings bei 32 000 Euro noch einmal ins voll besetzte Palais im Nicolai-Viertel zurück.

„Ich muss noch überlegen“, raunte ein Herr. Damit erzielte er zwar allgemeine Heiterkeit, doch Zögern zählt bei Auktionen nicht. Zum Trost empfahl ihm der Auktionator anschließend einen Borkum-Besuch; dort war das Transportschiff aus China 1755 mit dem kompletten Service gestrandet. Nur wenige Teile konnten gerettet werden, was denn auch den Rekordpreis von 39 000 Euro (inklusive Aufgeld) erklärt.

Verdreifacht wurde auch der Preis für die KPM-Schale mit einer Ansicht des Schinkel’schen Kreuzbergdenkmals und ausgefallenem Blumendekor. Ein US-Amerikaner im Saal, der bereits zuvor diverse der edlen Objekte aus der Königlich Preußischen Manufaktur erworben hatte, ließ so lange nicht locker, bis er die mit 12 000 Euro bewertete Tazza auf brutto 39 000 Euro hob.

Doch damit setzte er lange noch nicht den Höhepunkt. Für eine Medici-Vase mit reichem Golddekor, einer delikat gemalten Schlachtenszene aus den Befreiungskriegen sowie einer Ansicht des Blücherplatzes in Breslau, war das Einstiegsgebot mit 15 000 Euro beziffert. „Ohne Kampf kein Sieg“ ist dem königlichen Geschenk an einen Kommandanten auf dem Postament eingeschrieben. Diesem Motto folgte auch der amerikanische Sammler, der gegen deutsche, russische und amerikanische Konkurrenz bei stolzen 128 000 Euro triumphierte.

Der einen oder anderen dieser Pretiosen, die nun in eine der bedeutendsten Kollektionen klassizistischer Porzellane wandern, wird man ab Ende Juli im Schloss Charlottenburg wieder begegnen: Hier präsentiert die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten dann drei Monate lang, was jener US-Sammler in den vergangenen 15 Jahren aus den kaiserlichen und königlichen Manufakturen von Berlin, Wien und Sèvres zusammengetragen hat.

Weniger spektakulär war der Zuspruch bei der Silberofferte. Das sechsteilige Tellerset (Taxe 8000 Euro), das Wilhelm II. 1913 nach dem Modell des Hofgoldschmieds Johann George Hossauer für die Hochzeit von Prinzessin Viktoria Luise anfertigen ließ, konnte zwar mit beachtlichen 19 500 Euro reüssieren. Bloß der zu Hossauers Lebzeiten um 1837 entstandenen, vergoldeten Deckelterrine mit einem Limit von 80 000 Euro und damit dem eigentlich teuersten Stück war zu viel zugetraut worden: Sie fand keinen neuen Besitzer. Bei einer Zuschlagsquote von 109 Prozent der Gesamttaxe, lässt sich dieser Rückgang allerdings verschmerzen.

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