Kultur : "Rinôçérôse": Das House renovieren

Stefan Rehberger

Wir wiederholen: Techno, das ist "ungs-ungs". House klingt nach "ng-ts-ng-ts". Und Rinôçérôse? - Ja, die machen "bumm-tschik-bumm-tschik-bräätz!". - Bräätz? - Ja, bräätz! Mit Gitarren, Verzerrern, Wah-Wahs, das volle Programm eben. - Wie, ich dachte Rinôçérôse, das sei French House mit Danse und Dudeldu? - Ja, Danse schon, aber... O.K., noch mal von vorne: Rinôçérôse kommen aus Montpellier und sind Jean-Philippe Freu und Patou Carrie. Die spielten früher in einer Indie-Rock-Band, als Rock noch "in" war, als auf der Bühne geschwitzt wurde, und das Publikum gerissene Saiten als Ausdruck von Extase feierte. Dann war Rock "out" und Freu und Carrie verdienten ihr Geld als Psychologen. Bis sie auf die Idee kamen, House mit Gitarren zu machen, das Haus quasi zu renovieren. Und dann wollten sie live spielen. - Live-Elektro? - Klar, ist eigentlich langweilig: Leute, die an Reglern drehen und auf Knöpfe drücken. Außerdem: Wenn alles aus der Kiste kommt, was ist dann noch live? Dachten sich Rinôçérôse auch und formten eine Live-Band: mit drei Gitarren, Bass, Percussion, Querflöte und Programmierer. Außerdem haben sie noch einen Video-Jockey, der riesige Projektionen auf eine Leinwand hinter der Bühne steuert. In der Besetzung standen Rinôçérôse im Pfefferberg auf der Bühne. Und gaben ein Rock-Konzert, Houserock eben: Krach und Schweiß, fette Gitarren, coole Posen und minutenlange Soli, aber mit einem dicken Beat drunter und drum herum. Zum Tanzen, aber nicht "dancy". Und das Publikum war wie weggeblasen, hat gezappelt und geschrien. Die Gesichter hättest du sehen sollen! Diese glänzenden Augen. So einen Glanz können einfach nur brätzige Gitarren zaubern. - Bräätz? - Genau!

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