Kultur : Rio, mein Rio

S. H.

Monika Treut dürften vielen sexualpolitisch interessierten Kinogängerinnen und auch einigen Kinogängern bekannt sein als eine Dokumentaristin, die sich ihre Stoffe gerne in den Winkeln sucht, wo Otto Normalgucker selten hinkommt. In S/M-Bars und Domina-Studios, bei Lederlesben und Pornomachern. Ihr letzter Film "Gendernauts" hat sich als erster in Deutschland ausführlich mit Lebensweisen zwischen den traditionellen Geschlechtergrenzen beschäftigte. Ästhetisch aufregend waren Treuts Filme dabei nie, sie lebten von ihrem Stoff, eine sympathische Form von Sexploitation.

Auch ihr neuester Film "Kriegerin des Lichts" ist eher eine inhaltliche - und auch geografische - Grenzüberschreitung, nach Brasilien, in die Favelas von Rio de Janeiro. Monika Treut hat dort eine echte Heldin gefunden, Yvonne Bezerra de Mello, die sich seit vielen Jahren kämpferisch für die Rechte der Straßenkinder einsetzt. Der Film spielt also ganz unten auf der Straße und ganz oben: Denn Yvonne kommt aus der Oberschicht des Landes. Auch heute noch ist sie eine reiche Frau, und sie steht dazu. Dass sie mit den schnüffelnden Straßenkindern im Dreck sitzt, macht ihr unter Ihresgleichen keine Freunde.

Yvonne Bezerra de Mello mag eine sehr ehrenwerte Frau sein. Ihre Hilfswerk "Projeto Uerê" ist auf so schlichte Art wirksam wohltätig, wie es sich selbst gute Herzen kaum erträumen. Doch leider wagt es Monika Treut nicht, den Blick auch einmal hinter die Kulissen des Projekts und seiner Protagonistin zu werfen. Auch lässt sie sich und uns nicht genug Zeit, um den Dingen und Entwicklungen nachzuspüren. "Kriegerin des Lichts" ist ein Werbefilm - für eine vermutlich gute Sache. Ein Dokumentarfilm ist es nicht. Und ein wenig wirft er auch ein Zwielicht auf ihre früheren Filme.

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