Kultur : Rita Preuss: Die Malerin erhielt den Hannah-Höch-Preis

Lapidarium[bis 17. 12.; Sonna],Hallesches Ufer 78[bis 17. 12.; Sonna]

Mit siebzig Jahren malte Rita Preuss eine Serie von Selbstporträts, die sie stets mit großer Kopfbedeckung zeigten, mit Pelzmütze und Jägerhut. Dann verwandelt sich der Hut in ein Dickicht aus Pinseln, die ihr wie eine Dornenkrone in die Stirn gerutscht sind. Selten wohl wird das Pathos der künstlerischen Passion mit so trockener Ironie gebrochen. Als Kultursenator Christoph Stölzl ihr nun den Hannah-Höch-Preis inmitten ihrer von der Berlinischen Galerie im Lapidarium eingerichteten Ausstellung überreichte, zeigte er sich als lernfähig. Erst vor kurzem war er mit der Bemerkung aufgefallen, dass Künstlerinnen heute nicht mehr benachteiligt wären und deshalb keine besondere Förderung bräuchten. Nun referierte er brav die Geschichte vom Kampf der Künstlerinnen um Ausbildungsplätze, Marktpräsenz und musealer Anerkennung. So wurde die Preisverleihung zu einer Art Friedensangebot.

Rita Preuss gehört einer Generation an, die im Schatten der ideologischen Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit nach einer eigenen Erzählweise suchte. Ihre Bilder berühren den Betrachter durch einen magischen Realismus, der hinter der dinglichen Präsenz eine genaue Auseinandersetzung mit der Fläche des Bildes verbirgt. In seiner Laudatio beschrieb Jörn Merkert, Direktor der Berlinischen Galerie und Mitglied der Jury, welche genaue Kalkulation und Analyse des Sehens in ihrer scheinbar so einfachen Bildsprache steckt.

1959 malte sie den "Dienstagskreis", ein Gruppenbild von Künstlern, der mit einer ähnlich sparsamen Dingwelt in seinen poetischen Bildern auskam. Alle Teilnehmer des Zirkels blicken nach vorn, und der Parkettfußboden des Zimmers umrahmt sie wie eine hochgeklappte Fläche. Dass gerade diese Anordnung die Dinge umso plastischer hervorstechen lässt, ist das Verblüffende ihrer Malerei. Viele Bilder greifen in Pyramiden aus Blumen oder Früchten, Stillleben mit Gemüsekörben oder Fischen im Eis Motive auf, die als nature morte zwar schon ein langes Vorleben in der Kunstgeschichte kennen, bei ihr aber eine saftige Revitalisierung erfahren. Ihre Sinnlichkeit berührt Geschmack und Ekel, Fasten und Prassen, Verschwendung und Askese. Sie stimulieren den Hunger nach Einverleibung als eine Form der Weltvergewisserung, die sich nicht allein auf das Sehen verlässt. KBM

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