Kultur : Ritter von Hi-Tech

Dem Architekten Richard Rogers zum 70. Geburtstag

Falk Jaeger

Berlin ist einfach nicht sein Pflaster. Was hat er nicht alles schon für Berlin gezeichnet: das Hochhaus „Zoofenster“, bald schon abgelöst von einem Konkurrenzprojekt, das allerdings bis heute noch nicht aus der Baugrube wächst, dann im selben Jahr 1991 eine Gesamtplanung für den Potsdamer Platz, mit dem die Investoren handstreichartig Tatsachen schaffen wollten; zum offiziellen, behördlich abgesegneten Städtebauwettbewerb war Richard Rogers erst gar nicht geladen. Den Realisierungswettbewerb, den Renzo Piano gewann, beendete er auf Rang vier. Auch seine Pläne für die U-Bahnstation Weberwiese blieben Papier.

Wenn er doch noch in Udo Hesses Portraitgalerie der Berliner Architekten Eingang fand, so deshalb, weil er als ein Preisträger drei Blocks am Potsdamer Platz realisieren konnte, mit 50000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche immerhin, die er in gewohnt technizistischer Manier gestaltete – und nicht ohne seinem früheren Partner Renzo Piano augenzwinkernd eins auszuwischen, indem er das Terrakottafassadendiktat persiflierte, das dieser im Rahmen festgeschrieben hatte.

Piano – mit dem italienischen Kollegen hatte er 1971-77 das Pariser Centre Pompidou gebaut, als Team zweier hoffnungsfroher Nachwuchsarchitekten, und damit seinen internationalen Ruhm begründet. Zuvor, in den sechziger Jahren, hatte er einen anderen heute renommierten Partner: Norman Foster.

Doch Foster und Rogers könnten von unterschiedlicherem Naturell nicht sein. Kaltherzig, distinguiert, beherrscht der eine, mitteilsam, warmherzig, temperamentvoll der andere – Rogers ist in Florenz geboren und hat zur Hälfte italienisches Blut in seinen Adern. Immer war Rogers’ Architektur sinnlicher, wenngleich er neben Foster, Grimshaw und Hopkins zum Quartett der vier britischen High-Tech-Apologeten zählt. Immer auch war seine Architektur vielgestaltiger, was womöglich an der demokratischer organisierten Struktur seines Büros liegt.

An Bauvolumen steht er Foster nicht viel nach, auch nicht an Prominenz seiner Aufträge in aller Welt. Für den Versicherungskonzern Lloyd’s of London baute er 1979-86 eine Inkunabel der High-Tech-Architektur im Finanzdistrikt der Metropole. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg (1995) und die Justizbehörden in Bodeaux (1998) sprechen in seinen Gebäuden Recht, und in London hat man in seinem riesigen Millennium Dome das neue Jahrtausend begrüßt. Das finanzielle Debakel des Dome lag an der Architektur zuletzt.

Das Mitwirken an der Solar City in Linz verweist auf sein ökologisches Bewusstsein, das seine Arbeit, aber auch seine Lehre und Vortragstätigkeit mehr und mehr bestimmt.

Eines aber hatte Richard Rogers seinem Konkurrenten Foster voraus: Schon 1991 schlug ihn die Queen zum Ritter. Heute feiert der Lord of the Riverside seinen siebzigsten Geburtstag.

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