Kultur : "Road Trip": Schärfer filmen

Jan-Arne Sohns

Ein Film, der die Wirrnisse der College-Klamotte mit denen des Road Movie verbindet - warum nicht? Die Paarung zweier uramerikanischer Genres, was da alles möglich wäre! Doch "Road Trip", der erste Spielfilm des bislang als Dokumentarfilmer aktiven Todd Phillips lässt alle Möglichkeiten ungenutzt. Stattdessen: verkrampft auf witzig getrimmte Dialoge und gesuchte Obszönitäten, die allenfalls im prüden Amerika zünden mögen. Wer verrückt nach "Verrückt nach Mary" war, wer später bei "American Pie" mit der Zunge schnalzte, der sollte sich "Road Trip" nicht entgehen lassen. Um Debütant Phillips haben sich die üblichen Verdächtigen versammelt: Kameramann Mark Irwin ("Verrückt nach Mary", "Dumm und dümmer", "Scream") und die Schauspieler Breckin Meyer ("Clueless") und Seann William Scott ("American Pie").

Josh (eben jener Meyer) studiert in Ithaca, seine langjährige Freundin Tiffany (Rachel Blanchard) dagegen im fernen Austin. Kein Wunder, dass Josh sich da einsam fühlt, zumal Tiffany nichts mehr von sich hören lässt und er selbst von der hübschen Beth (Amy Smart) umgarnt wird. Flugs wird der Seitensprung auf Video gebannt - und die Kassette irrtümlich statt der eigens aufgezeichneten Liebesschwüre nach Austin geschickt. In Papas Wagen machen sich Josh und drei Kumpels auf, um das Päckchen abzufangen.

Lüsterne Afro-Matronen, verklemmte Söhne, geile Rentner: Phillips und Co-Autor Scot Armstrong plündern das Typenarsenal derber Charakterkomik. Auch die komischen Situationen sind kühl kalkuliert: Die von der Krankenschwester verabreichte Analakrobatik zur Stimulation bei der Spermaspende kann Phillips aber kaum meinen, wenn er behauptet, er habe der Komödie ein "Fundament aus Realismus" unterlegt. Irwins agile Kamera durchmisst die amerikanischen Weiten im Auto, im Hubschrauber und auf dem Kran; am Ende umtanzt sie kreisend die Küssenden. Den Film, der so kindisch ist wie seine Figuren, kann sie freilich genauso wenig retten wie das herrlich ironisierende Zitat aus Sam Peckinpahs Western "The Wild Bunch", wenn die vier Helden in Zeitlupe zum Showdown marschieren.

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