Kultur : Rock: Ententanz

Ulf Lippitz

Rock ist tot - so lautete ein Slogan vor nicht allzu langer Zeit. Doch dann rockten die Guano Apes und Limp Bizkit los. Nun ist das verpönte Wort wieder in vieler Ohren. Offensichtlich in besonders vielen Teenager-Ohren, betrachtet man das versammelte Publikum im Knaack. Die Alternative Allstars wollen ihre Version von Punk-Pop vorführen - die Oberstufe wartet bereitwillig auf dem kalten Beton. Zunächst absolvieren Answer als Vorband ein solides, aber unspektakuläres Aufwärmprogramm. Die Lieder wirken überladen und wenig eingängig. Anders die Hauptband: Clever beginnt das Trio sein Konzert mit einer Klavierfassung ihrer brachialen Hymne "Supersonic Me", die vom Band eingespielt wird. Eine fast simple Melodie, der Refrain eignet sich bestens zum Mitsingen. Dann betreten die "Stars" aus Gütersloh unter regem Geschrei der anwesenden Skater-Jugend die Bühne. "Brandnew Day" gibt die Richtung des Sets vor. Die Gitarre von Frontmann Claus Grabke schneidet die Luft, wittert überall Bollwerke, die es zu zersprengen gilt. Mark Wiechert lässt seinen Bass dagegen fast melancholisch klingen - passend zu seinem Blick, den er an die Decke wirft, wenn er wie ein Tanzbär den geringen Platz auf der Bühne auslotet. An den Drums drischt Gary Lincoln wie ein Besessener. So sehr, dass nach drei Liedern ein Becken ausgewechselt werden muss. Grabke verfügt über Talent, die Menge zu führen und auf seine Seite zu ziehen. Das Repertoire an Stadiengestik scheint allein der intimen Atmosphäre wegen fehl am Platz. Aber es klappt, wenn er "Audience Participation" fordert, tanzen die Jungs vor der Bühne ihre Mischung aus Ententanz und Pogo.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben