Rock-Keyboarder Ian McLagan gestorben : "Ich bin ein Glückskind"

Ian McLagan gehörte zweifellos zu den größten Keyboardern der Rockgeschichte. Nun ist das ehemalige Mitglied der Small Faces und der Faces im Alter von 69 Jahren in seiner Wahlheimat Austin, Texas gestorben.

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Ian McLagan.
Ian McLagan.Foto: AFP

Wahrscheinlich sind die größten Rock'n'- Roll-Helden diejenigen, die ihr Talent verschwenden. So wurden die Faces, zu denen der Sänger Rod Stewart, der Gitarrist Ron Wood und der Songwriter Ronnie Lane gehörten, mehr durch Exzesse als durch ihre Musik berühmt. Studioaufnahmen kürzten sie gerne ab, um anschließend mehr Zeit für den Pub zu haben, und während einer Tournee zertrümmerten sie einmal in Florida ihre Zimmer, aus Ärger darüber, dass die Hotelbar bereits um zwei Uhr nachts schloss. Mit etwas mehr Disziplin hätten sie vielleicht größer als die Beatles und die Stones werden können.

Trotzdem waren die Faces bemerkenswerte Virtuosen. Wer das bezweifelt, der muss nur einmal das betörende Orgel-Intro von „Maybe I’m Amazed“ hören, das herrlich altmodische Honkytonk-Klavier auf „Silicone Grown“ oder die hemmungslos groovende Hammondorgel auf „Ooh La La“. Ian McLagan, der da zu hören ist, gehört zweifellos zu den größten Keyboardern der Rockgeschichte. Am Mittwoch ist er im Alter von 69 Jahren in seiner Wahlheimat Austin, Texas gestorben. „Er starb umgeben von Familie und Freunden an den Folgen eines Schlaganfalls“, ist auf seiner Webseite zu lesen.

IanMcLagans Lebensbilanz: "Ich bin ein Glückskind"

Ian McLagan, 1945 in der Umgebung von London geboren, beschloss Keyboarder zu werden, als er „Green Onions“ von Booker T. & the M.G.s hörte. 1965 stieß er zur Beatband Small Faces, aus der die Faces wurden, als der Sänger Steve Marriott sie 1969 verließ. Die Small Faces hatten Hits wie „All Or Nothing“ oder „Itchycoo Park“ und veröffentlichten 1968 das Konzeptalbum „Ogdens’ Nut Gone Flake“, dessen Titel auf den Marihuana-Konsum der Musiker anspielte. Nach dem Ende der Faces begleitete der Keyboarder die Rolling Stones auf zwei Tourneen, arbeitete im Studio für für Jackson Browne, Bob Dylan, Nikki Sudden, Joe Cocker und Bruce Springsteen, gründete seine eigene Gruppe, die Bump Band, und gehörte zu Billy Braggs Begleitband The Blokes. Seit 1994 lebte er in Austin. heiratete 1978 hatte Ian McLagan das Model Kim Kerrigan, die Ex-Frau des Who-Drummers Keith Moon, die 2006 bei einem Autounfall starb. Im Jahr 2000 veröffentlichte er seine Autobiografie "All the Rage" mit einem Vorwort von John Peel. Die Lebensbilanz von Ian McLagan lautete: „Ich bin ein Glückskind.“ Nach seinem Tod, sagte er in einem Interview, solle der zweite Teil seiner Memoiren unter dem Titel "Burning Bridges" erscheinen. Darin wolle er "die ganze Wahrheit" über das Rock'n'Roll-Business verraten.

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