Kultur : Rock: Laffändpieß

H. P. Daniels

Grateful Dead aus Wales nannte man Man anfang der 70er. Sie spielten in jedem Kaff, sogar in Kelkheim. Spleenige Soli, lang wie die Joints im Publikum. Das saß umwölkt auf dem Boden. Lauschte. Sog ein. Laffändpieß ... Mittendrin hört die Musik auf, sie werfen die Instrumente weg, springen von der Bühne, rasen durchs Publikum, um eine Rockergang zu verjagen, die gerade die Lightshow zu demontieren versucht. Zurück auf die Bühne: Sorry for the interruption. Gitarrensolo. Zwanzig Jahre später in der Columbiahalle. Längere Pause hinter sich. Älter geworden. Und grau. Wie ihr Publikum. Kreischendes Slide-Intro. Space-Blues von den alten Haudegen: Micky Jones mit rhythmischem Gitarrengeschredder. Jazzige Melodiestrukturen gehen über in Heavy-Metal-Riffs. Deke Leonard, mit weißem Pferdeschwanz, Brille und Eisbart lässt die Zebragitarre wimmern. Martin Ace schießt schnelle Achtel aus dem Bass. Und macht die Ansagen: "Heute abend wir alle haben viel Spaß". Stimmt. Sie wechseln sich ab beim Singen, beim Solieren. Solide Midtempo-Rocker zwischen R & B und Country. Geordnete melodische Strukturen, sirrend singende Jones-Gitarre, Stakkato-Leonard-Akkorde zum melodischen Ace-Bass. Dann Auflösung in seltsame Klanggebilde, als würden sie rückwärts spielen. Orgelfetzen. Und zurück zur Straffheit. Hardrock-Riffs, indische Raga-Sounds. "The Storm"wird nur angespielt. Den Sturm entfacht das Nachprogramm: Eric Burdon ist wie ausgetauscht nach seinem gruseligen letzten Berliner Auftritt. Sieht gut aus mit kurzen Haaren. Keine doofen Haurucksprüche mehr, keine albernen Stirnbänder. Die Stimmbänder umso besser.

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