Kultur : Rock: Surfbrett

Nadine Lange

Einen Tag am Meer möchte k.d. lang mit dem Publikum verbringen und ein bisschen von der Wärme ihrer neuen Wahlheimat Kalifornien ins kühle Berlin hauchen. Also hat sie sich eine weiße Hose und ein weites Leinenhemd angezogen und die Schuhe weggelassen. Die ganze Band ist in Strandklamotten angetreten, die Herren an den Saiteninstrumenten wirken darin wie würdevolle Beachboy-Senioren. Schließlich spielen sie fast alle Songs des aktuellen Albums "Invincible Summer". Ein komplettes Gute-Laune-Programm, das funktioniert: Bei den lockeren, poppigen Melodien muss man sich einfach von k.d. langs Dauergrinsen anstecken lassen. Die 38-jährige Sängerin hopst vergnügt über die Bühne, schnappt sich ein Surfbrett und rennt ins Wasser. Mit ihrer Ausnahmestimme surft sie auf die höchsten Wellen, saust problemlos unter riesigen Brechern hindurch. Aus dem Nichts zaubert sie sich in die Luft. Zwischen den Titeln macht k.d. lang ausführliche, witzige und manchmal ein bisschen überkokette Ansagen. Alles nice and easy bei der Strandparty im ausverkauften Haus der Kulturen der Welt. Für Melancholie ist hier kein Platz. Deshalb sind auch nur wenige ältere Songs wie "Crying" oder "Constant Craving" zu hören. Genau bei diesen Titeln allerdings kommt Bewegung und Begeisterung ins Publikum. So auch bei der Zugabe "Mrs. Chatelaine", zu der k.d. lang mit Perücke und ausladendem Kleid erscheint. Während sie dort im Seifenblasenregen zum Sambarhythmus herumwirbelt, blitzt die Erinnerung an die punkige Patsy Cline-Reinkarnation ihrer Anfangszeit auf. Das ist lange her. Jetzt liegt k.d. lang lieber im warmen Sand.

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