Kultur : ROCK

H.P.DANIELS

Die Enttäuschung darüber, daß Billy Bragg in der Columbiahalle ohne die US-Countryrocker von Wilco auftritt, mit denen er das Album "Mermaid Avenue" aufgenommen hat, ist schnell verweht.Bragg singt zunächst, wie man ihn von früher kennt, solo, dann mit Band: The Blokes.An der Orgel, weißhaarig und fast unbemerkt, der legendäre Ian McLagen.Roher als mit Wilco, eher wie dampfender R&B der alten englischen Schule, klingen "Way Over Yonder In The Minor Key" und "I Guess I Plantes", Songs der US-Folk-Legende Woody Guthrie.Während die Gitarristen die exotischen Instrumente wechseln (Saz, Bouzuki etc.), erzählt Bragg Anekdoten und Geschichten über Fußball, Politik und natürlich Guthrie, den Seelenverwandten.Alleine, mit Band, oder im herausragenden Duo mit McLagen singt Bragg eine gute Hälfte des Abends aus dem Woody-Guthrie-Zyklus, wobei die Arrangements häufig anders klingen als die Wilco-Zusammenarbeiten: "California Stars" kommt als rollender Boogie, "Hoodoo Voodoo" als tanzbarer Reggae.Der Rest des Programms stammt aus dem eigenen Fundus.Nach über zwei Stunden besten Entertainments ist das Publikum so bezaubert und glücklich, daß der strömende Regen draußen niemanden zu stören scheint.

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