Kultur : Röyksopp

Diese Woche auf Platz 58 mit: „The Understanding“

Ralph Geisenhanslüke

Eine praktische Lebensweisheit sagt: Wenn du ein Problem hast, geh zum Friseur. Torbjorn Brundtland und Svein Berge taten genau das Gegenteil: Sie ließen wachsen. „Wir mussten etwas anderes machen“, sagen sie. „Dazu brauchten wir zu allererst mehr Haar.“ Die beiden Norweger hatten guten Grund für einen Frisurenwechsel. 2001 veröffentlichten sie ihr Debüt „Melody AM“, eines der schönsten Elektro-Pop-Alben der jüngeren norwegischen Musikgeschichte. Torbjorn und Svein galten als die skandinavischen Air.

Erfolg kann ein Fluch sein. Nichts fürchten Musiker so sehr wie den Nachfolger nach dem ersten großen Wurf. Aber die grundgute Erdung von Torbjorn und Svein hat das nicht erschüttert. Vier Jahre Zeit für ein neues Album seien eben normal, „wenn man nicht ständig seine Karriere im Auge hat, sondern sich auch noch um die wichtigen Dinge im Leben kümmert.“ Allein dafür schon mal einen Grammy in der Kategorie „Emotionale Intelligenz“.

Röyksopp – das Wort kommt in der jüngeren norwegischen Sprachgeschichte nicht vor. Ein Dada-Name, der klingt, als sei die Produktnamenabteilung von Ikea Amok gelaufen. Aber so knuddelig und pflegeleicht wie im Fertigteilmöbelhaus geht es auf „The Understanding“ nicht zu. Statt sofakompatibler Songs wie „Poor Leno“ spielen die beiden volles Risiko. Sie pflegen ihre Obsession für 80er-Sounds, für scheppernde Rhythmusmaschinen und alte Synthies. Ein hübscher Strauß sommerlicher Grooves. Aber nicht nur das: Der Song „What Else Is There“ etwa klingt, als hätte man eine Hybride aus Kate Bush und Björk geklont. Eigentlich eine eher grenzwertige Vorstellung. Aber Röyksopp setzen mit Harfen, Chören und Orchester-Bombast noch einen drauf und kriegen sehr lässig die Kurve hin zur „Tristesse Globale“. Jungs mit langen Haaren können das.

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