Kultur : Rolf Gutbrod 88jährig gestorben

BERNHARD SCHULZ

Von Berlin schied er im Zorn.Die Eröffnung seines Kunstgewerbemuseums 1985 geriet zum Waterloo.Gleich nach Richard Meiers strahlendem Frankfurter Kunstgewerbemuseum wurde der Betonbau am Kulturforum in der Öffentlichkeit erst recht als "Bunker" geschmäht.

Rolf Gutbrod, der nach einem mühsamen Wettbewerbsverfahren 1968 mit der Planung des Kulturforums beauftragt worden war, trug nicht die Verantwortung für die quälend lange Realisierungszeit, mußte aber die ganze Last der Ablehnung tragen.Das verbitterte ihn derart, daß er sein Büro aufgab und sich nach Dornach bei Basel zurückzog.Dort ist der gebürtige Stuttgarter am Dienstag im Alter von 88 Jahren gestorben.

Dabei zählt seine Laufbahn zu den erfolgreichsten eines Architekten der Nachkriegszeit.Seit 1947 an der Technischen Hochschule Stuttgart tätig, prägte er eine ganze Generation von bundesdeutschen Baumeistern.In Stuttgart schuf er eine Reihe atmosphärischer Bauten, die der Moderne der fünfziger Jahre Ausdruck gaben, angefangen mit der "Milchbar auf dem Killesberg" von 1952.Den Höhepunkt seiner Stuttgarter Bautätigkeit bezeichnet die "Liederhalle" von 1955/56, die der Verheißung ihres Namens in beschwingten Formen alle Ehre macht.Das organische Bauen wandte sich programmatisch gegen den aus den USA zurückgekehrten Funktionalismus und setzte mitten in die Adenauerzeit individualistische Akzente.Mit Frei Otto, dem Meister leichter Flächentragwerke, arbeitete er seit dem gemeinsamen Entwurf für den Deutschen Pavillon auf der "Expo" von Montreal 1967, jener schwerelosen Zeltdachlandschaft, vielfach zusammen - zumal im Nahen Osten, wo das Duo Großbauten in Riad und Mekka verwirklichte.

Auch in Berlin war Gutbrod lange schon tätig; hier erhielt der vielfach - unter anderem mit dem Orden Pour le Mérite - Geehrte 1983 den Berliner Kunstpreis - "nicht für alles, sondern für das Ganze", wie sein Laudator ausführte, der den Museumsrohbau bereits vor sich sah.Gutbrods Dorland-Haus gegenüber der Urania (1964/66) gibt dem amorphen Neubaugebiet ein elegantes Ausrufezeichen.Massiver ist die Wohnbebauung an der Bismarckstraße in zeittypischer Staffelung, die eher an eine Großsiedlung dieser Jahre gemahnt.Gemeinsam mit Hans Bandel hat Gutbrod denn auch den städtebaulichen Plan für den Ostteil der Gropiusstadt entwickelt und dort vier Punkthochhäuser realisiert.Aus jener Phase stammt der Wettbewerbsbeitrag zum Kulturforum, der Gutbrods Laufbahn so abrupt beschließen sollte.

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