Rolf Hochhuth im Berliner Ensemble : Yippie Yeah

Feelgood statt Drama: ein Frühstück mit Eigentümer Rolf Hochhuth im Berliner Ensemble - kurz vor der Aufführung seines Stückes "Sommer 14".

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Die Besten der Besten. Dramatiker Rolf Hochhuth (links) und "Sommer 14"-Regisseur Torsten Münchow mit Weltkriegs-Pickel.
Die Besten der Besten. Dramatiker Rolf Hochhuth (links) und "Sommer 14"-Regisseur Torsten Münchow mit Weltkriegs-Pickel.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Die Querelen um die Sommerbespielung des Berliner Ensembles durch Rolf Hochhuth haben über die Jahre eine Unterhaltungsqualität erreicht, mit der das Bühnengeschehen selbst kaum mithalten kann. Der Streit zwischen Hochhuth – über die Ilse-Holzapfel-Stiftung Eigentümer der Theater-Immobilie – und BE-Intendant Claus Peymann entzündet sich regelmäßig an jenem Passus des Mietvertrags, der Hochhuth Aufführungen seiner Stücke zusichert; etwa in der Sommerpause. Wenn es besonders dramatisch läuft, kündigt der Dramatiker dann auch mal den Mietvertrag.

Gemessen daran befinden wir uns in einer enttäuschend harmonischen FeelGood-Dokusoap. Daran lässt auch das Pressefrühstück keinen Zweifel, das Hochhuths Öffentlichkeitsarbeiterinnen im Vorfeld der August-Bespielung organisiert haben: Peymanns Name fällt kein einziges Mal. Ab nächster Woche wird tatsächlich Hochhuths Stück „Sommer 14“ über die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs gezeigt. Was den spielgefährdenden Wasserschaden betrifft, der durch eine versehentlich ausgelöste Sprinkleranlage entstanden war, hatte das BE bereits entwarnt.

Also nicken ein gutes Dutzend „Sommer-14“-Mitwirkender, die gerade in den Endproben stecken, im BE-Eingangsfoyer einem knappen Dutzend Journalisten zu, Fotografen inklusive, bevor es auf der Bühne losgeht. Hochhuth schlurft hochzufrieden durch die heiligen Hallen, lobt die BE-Techniker, lässt sich mit den Darstellerinnen fotografieren– etwa Caroline Beil, Synchronsprecherin für „Baywatch“ und Telenovela-Star. Ansonsten überlässt er Regisseur Torsten Münchow das Wort.

Der ergreift es gern, als die Darstellercrew im weißen Bühnenbild – „dem 80. Stock eines Businesstowers“ und „der letzten Etage unter Gott“ – Platz genommen hat. Münchow, der zuletzt „2007 und 2008 bei den Salzachfestspielen Laufen mit dem Singspiel ,Jedermann’ und der Inszenierung ,Was ihr wollt’ großes Aufsehen erregte“ und jede größere Wortpassage mit einem „Yippieh Yeah“ abschließt, sagt, er habe mit Mathieu Carrière oder Ottfried Fischer (der wegen Dreharbeiten entschuldigt fehlt) „die Besten der Besten“ versammelt, was „für diesen Ritt über den Bodensee“ unabdingbar sei; schließlich seien Hochhuths Textpassagen „richtige Oschis“. Hochhuth spricht Münchow sein Vertrauen aus, auch beim Kürzen seines 420-Seiters, und bekommt – wie auch der auf die traurige Aktualität des Kriegs-Sujets hinweisende Carrière – vom eigenen Ensemble Szenenapplaus. Breaking News zum Ende: Starfriseur Udo Walz konnte für eine Gastrolle gewonnen werden; als Coiffeur der Mächtigen.

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