Kultur : Roll over Beethoven

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Als ich in Finnland aufwuchs, liebte ich deutsche Musik, das deutsche Denken und deutsche Literatur: Thomas Mann und Schopenhauer. Dann ging ich nach Italien zum Studieren und war stark beeindruckt vom Mediterranen. Als ich schließlich in die USA zog, lernte ich die Komplexität einer südkalifornischen Kultur kennen, in der 180 Sprachen gesprochen werden, und begriff, dass der Bildungskanon aus Beethoven, Michelangelo und Shakespeare nicht unbedingt mehr der Kanon einer komplexen Gesellschaft wie der von Los Angeles ist. Ich selber glaube sehr an diesen Kanon, aber ich habe eingesehen, dass er nicht der einzige ist. In einer so komplizierten Welt können wir uns nicht einfach zurücklehnen und den Menschen sagen: Hey, Beethoven ist gut für dich, hör dir den mal an. Wir müssen dafür kreativere Wege finden. Das habe ich gelernt: Meine Wahrheit ist nicht jedermanns Wahrheit.

EsaPekka Salonen ist Chefdirigent des Los Angeles Philharmonic Orchestra und feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. Der 46-jährige Finne ist außerdem Komponist.

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