Kultur : Rollbilder statt Raketen

ARCHITEKTUR (1)

Michael Zajonz

Was tun mit den gebauten Zumutungen des 20. Jahrhunderts, wenn sie unserer Vorstellung von Naturschönheit im Wege stehen? Eine ökologisch ebenso korrekte wie pragmatische Antwort fand Karl-Heinrich Müller, Gründer der niederrheinischen Museumsinsel Hombroich. Der Unternehmer erweiterte seine inzwischen in eine Stiftung eingebrachte Kunstlandschaft 1995 um eine ehemalige Nato-Raketenbasis. Zwischen Schutzwällen und Militärbaracken entstanden Ateliers und Wohngebäude für Künstler.

Auf der Architekturbiennale von Venedig zeigte Tadao Ando 1996 den Entwurf eines Museums für diesen Standort. Die Galerie Aedes West dokumentiert nun den Planungsstand des Hauses, das ab dem nächsten Frühjahr die Sammlung der Langen Foundation aufnehmen wird (S-Bahn-Bögen am Savignyplatz, bis 7. Dezember, Katalog 10 €). Ando platziert die Baukörper zwischen zwei Bodenwellen. Verglaste Laubengänge ummanteln eine langgestreckte Sichtbetonhalle: Hinter fernöstlicher Hausarchitektur werden die traditionellen japanischen Lack- und Papierarbeiten der Sammlung Langen gezeigt. Zwei sechs Meter eingetiefte Flügel bergen künftig Werke der Klassischen und Nachkriegs-Moderne.

Die 91-jährige Marianne Langen und ihre drei Kinder betrachten ihre Stiftung als Modellfall. Das Grundstück bleibt im Besitz der Stiftung Insel Hombroich, die Baukosten von sieben Millionen Euro übernimmt die Familie, die Betriebskosten sollen durch Sonderausstellungen und Vermietungen eingespielt werden.

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