Kultur : Rolle vorwärts

„Eine gute Partie“ in der Komödie am Kurfürstendamm

Christoph Funke

Auch dieses Mal hat die freundliche kleine Geschichte von der Umerziehung eines verbiesterten Alten den wohlberechneten Erfolg. Dabei erzählt sie Stefan Vögel unter dem Titel „Eine gute Partie“ gar nicht so munter geradeaus, wie das zunächst den Anschein hat. Sein „Kotzbrocken“ Fred wandelt sich zwar binnen vier Wochen zum liebreizend balzenden älteren Herrn, macht aber dann eine Rolle rückwärts. Das hält das vorhersehbare schöne Ende eine kleine Weise auf, das Spiel hat seinen Interruptus, und die Erlösung von allem raunzenden Übel ist dann noch eine Spur beglückender.

Um seinen pädagogisch in die Mangel genommenen Helden herum weiß Stefan Vögel sauber und übersichtlich Figuren zu stellen, die mehr sind als nur Stichwortgeber. Da gibt es den zauberhaft phlegmatischen Freund Walter, den advokatisch beredsamen Sohn Leonard und natürlich vor allem die hübsche Haushälterin Rosalinda mit Mutterwitz und Schachkenntnissen. Apropos Schach – dieses Spiel für geistig Rüstige hat die stumme Hauptrolle im Komödiengeschehen. Fred und Walter rücken die Figuren seit Jahrzehnten, ohne zu einem Ende zu kommen, weil nicht zuletzt bübischer Betrug alle Regeln über den Haufen wirft.

Dem 1969 in Bludenz geborenen Autor sind Dialoge gelungen, die hübsch hinterrücks mit Untertexten arbeiten. Nicht das Gesagte zählt, sondern die absurde, böswillige oder auch nur hilflose Deutung des Gesagten. Das bringt einige Munterkeit, nicht selten auch klugen Witz, macht die kleine Geschichte aber dann ein bisschen zäh. Für die Schauspieler hat sie Futter genug, und Wolfgang Spier, Darsteller des kauzigen Fred und Regisseur, weiß das zu würdigen. Mit staunenswerter Sicherheit sorgt er für eine Aufführung, in der alles auf der wie immer angenehm wohnlichen Bühne von Hannelore Hirthe-Kuschnitzky am richtigen Platz ist.

Als Poltergeist Fred macht Spier sehr absichtsvoll deutlich, dass sich der Alte bewusst und raffiniert verstellt, weil er im Grunde ein feiner Kerl mit weichem Herzen ist. Spier zeigt dabei vor allem das Vergnügen am intellektuellen Austricksen seiner Mit- und Gegenspieler. Ralf Wolter fährt den Freund Walter in ein Reich klagender, antriebsloser Entrückung. Gaby Gasser darf als Rosalinda dagegen zupackend normal und lebenstüchtig sein, und Hans-Jürgen Schatz liefert als Sohn und Staubsaugervertreter Leonard den fixen, nervösen, glatten Jungen aus dem alltäglichen Geschäftsleben, mit einer Spur Ironie. Übrigens: Heißt die tüchtige Haushälterin nur zufällig Rosalinda? Bei Shakespeare, in „Wie es euch gefällt", gibt es ein tatendurstiges Mädchen namens Rosalind. Und die sorgt dafür, dass am Ende gesagt werden kann: „Und so beginnet eure Freuden"...

Wieder vom 17. bis 24. und vom 26. bis 31., jeweils 20.00 Uhr.

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