Rollenbilder : Mädchen sollen harmlose Prinzessinnen sein

31.08.2011 13:49 Uhrvon
  • Mit Einhorn und Krönchen. Besucherinnen der „Prinzessin Lillifee“-Premiere in Berlin. Der Film läuft ab Donnerstag in 20 Berliner Kinos. - Foto: Geisler-Fotopress/Gabsch
  • Mit rosa Kussmund und rosa Einhorn schwebt Lillifee durch ihr Zauberland. Ihr Motto: "In Rosarot ist die Welt viel hübscher." - Foto: dpa
  • Das Buch von Autorin Monika Finsterbusch ist zur Deutschlandpremiere des ersten Lillifee-Films Ende August in Berlin schon fast in Vergessenheit geraten. Aber die... - Foto: dpa

Sei süß, sei lieb, sei rosa: Prinzessin Lillifee & Co. zementieren die Rollenbilder von gestern. In ihrem Erfolg zeigt sich ein neuer Konservatismus.

Ich seh Rosa! Den Eindruck bekommen heutzutage alle, die die Spielzeugabteilung eines Kaufhauses besuchen. Die Regale ächzen unter rosa Spielzeug und Puppen für die kleinen Mädchen: Hello Kitty, Barbie, Trixibelle und die Prinzessinnen des Disney-Imperiums. Über allen thront Lillifee, Prinzessin aus dem Feenreich mit dem programmatischen Namen Rosarien. Auf dem Einhorn Rosalie schwebt sie durch ihr Zauberland, begleitet vom Schweinchen Pupsi.

Die Figuren aus der Lillifee-Reihe wurden ursprünglich für eine Buchserie des deutschen Coppenrath-Verlages geschaffen. Doch längst sind die Bücher zweitrangig geworden. Wohl kaum eine Kinderfigur hat es geschafft, das Merchandising-Geschäft so zu perfektionieren wie Lillifee.

Sie begleitet Kinder durch den ganzen Tag. Mädchen können Lillifee-DVDs gucken, während sie im Lillifee-Kleid auf ihrem Lillifee-Sofa sitzen, mit Lillifee-Glitzerschrift verzierte Törtchen naschen, bis sie ihre Zähne mit Lillifee-Zahnpasta auf der Lillifee-Zahnbürste putzen und im Lillifee-Bett schlafen gehen. Natürlich hat es Lillifee auch ins Kino geschafft. Der am Donnerstag startende Film „Prinzessin Lillifee und das kleine Einhorn“ ist schon das zweite Lillifee-Leinwandabenteuer.

Na und, könnte man jetzt sagen. Dürfen kleine Mädchen nicht auch einmal im Feenzauber schwelgen? Die Handlung scheint auf den ersten Blick nicht weiter der Rede wert, geht es doch darum, Lillifee bei der Verwirklichung ihres Lebensmottos zu sehen: „In Rosarot ist die Welt viel hübscher.“ Doch wer einmal einen Lillifee-Film gesehen hat, beginnt sich zu gruseln. Denn die zentrale Botschaft, die die Prinzessin verbreitet, lautet: Mädchen frisieren sich gerne und achten überhaupt auf ihr Aussehen. Mädchen backen, basteln und organisieren Feste. Mädchen sorgen sich um Harmonie. Kurzum: Das perfekte Mädchen ist angepasst und macht es allen recht. Gegen Lillifee waren die Figuren von Enid Blyton Feministinnen.

Fallen wir nach Jahrzehnten der Emanzipationsbewegungen bei unseren Kindern wieder in die traditionellen Rollenmuster zurück? Lesen Sie weiter.

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