Kultur : Rom, Blicke

Joachim Blüher ist der neue Direktor der Villa Massimo

Thomas Migge

Vor zwei Jahren verließ Jürgen Schilling seinen Posten als Direktor der Villa Massimo. Unbegreiflich für jene Römer, die oft in die Villa kamen, um die von ihm organisierten Ausstellungen und Happenings zu besuchen. Schilling war es gelungen, aus der elitär geführten deutschen Kultureinrichtung für Stipendiaten aus Kunst, Musik und Literatur ein offenes Haus zu machen. Aber der fantasiereiche und leider gar nicht diplomatische Mann war deutschen Kulturbeamten offenbar ein Dorn im Auge.

Es heißt, er habe zu viele Taxiquittungen vorgelegt und es mit der Verwaltung nicht so richtig gehalten. Wie auch immer – nach Schillings Weggang wurde die Villa kommissarisch von der Botschaftsangehörigen Ute Brunn verwaltet. Sie führte dringend notwendige Restaurierungsarbeiten durch. Will heißen: Die Villa war zum Leidwesen vieler Römer bis auf wenige Ballettveranstaltungen im Park aus dem Kulturleben verschwunden. Jetzt soll alles anders werden – mit dem neuen Direktor Joachim Blüher, Kunstexperte, Kunstorganisator und Businessman. Es gehe ihm nicht um „die Vermittlung von kulturellen Dialogen auf irgendwelchen Metaebenen“, sagt er, sondern darum, „wirklich mit Künstlern zu arbeiten“.

Blüher will das Ansehen der Villa als Einrichtung zur Förderung hochbegabter deutscher Künstlerinnen und Künstler stärken und das Haus wieder enger mit der römischen Kulturszene vernetzen. „Hier sollen Lesungen stattfinden und wenn es Gespräche gibt“, sagt er, „dann sollen die sich unmittelbar um Kunst drehen“. Blüher ist kein Freund des in Italien so beliebten Schwafelns über Kunst und Kultur. Er will darstellen, zeigen, vorstellen, anbieten. Das, was die Stipendiaten erarbeiten und das, was sie gemeinsam mit ihm organisieren, um das kunstinteressierte Publikum anzulocken. Das ist keine leichte Aufgabe. Einerseits war die Villa Massimo in der Öffentlichkeit weitgehend von der Bildfläche verschwunden, zum anderen fehlt Rom eine an aktueller Kunst interessierte Kulturschickeria wie etwa in Köln oder Düsseldorf.

Um Rom und die zeitgenössische deutsche Kunst ging es schon Eduard Arnhold, dem Berliner Mäzen und Gründer der Villa Massimo. Als er 1910 am Rande der römischen Innenstadt dem Prinzen Massimo ein Grundstück abkaufte und darauf eine prächtige Villa im Neo-Renaissancestil errichtete, wollte er italienische und deutsche Künstler zusammenbringen. Der Industrielle Arnhold gehörte nicht nur zu den ersten Sammlern impressionistischer Maler, sondern förderte sie auch. Seine Villa wurde zu einer Stiftung, deren deutsche Künstler-Gäste sich von italienischer Kultur inspirieren lassen sollten. Zu den ersten Stipendiaten gehörten Marées und Böckling, Klinger und Volkmann. Es folgten Kriege, die Konfiszierung der Villa durch den Staat, und – erst 1957 – die Wiedereröffnung als Deutsche Akademie Villa Massimo. Verschiedene Direktoren gaben fortan den Ton an. Es gab Skandale und aufsehenerregende Absetzungen wie die Jürgen Schillings vor zwei Jahren. Er führte das Haus wie ein Tausendsassa – ein Typ, gerade so, wie Römer sie lieben.

Joachim Blüher hingegen wirkt organisierter und wenig pathetisch. Schon vor elf Jahren habe er Chef der Villa Massimo werden wollen, sagt der promovierte Kunsthistoriker, scheiterte mit der Bewerbung aber knapp. Der frühere Leiter der Galerie Werner in Köln wurde noch vom ehemaligen Kulturminister Julian Nida-Rümelin zum neuen Direktor der Villa Massimo berufen. „Direktor ist eigentlich das falsche Wort“, sagt der 48-Jährige. „Was wir hier brauchen, ist ein Agent, ein Impresario, ein Psychologe, ein Diplomat.“

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