Kultur : Roman Signer

Michaela Nolte

Wie gewohnt rumpelt, zischt und lärmt es bei Roman Signer. Dabei beschränkt er sich in seiner Ausstellung „Vier Skulpturen“ bei Barbara Weiss (Zimmerstraße 88-89, bis 2. Juni, Dienstag bis Sonnabend 11-18 Uhr) auf die Luft. Doch selbst dem flüchtigsten der vier Elemente ringt der 1938 geborene Schweizer Bildhauer eine nachhaltige Wirkung ab: optisch, mit seinem geradezu ruppig alltäglichen Material-Vokabular, an dem sich immer wieder ein skurriles Feuerwerk der Poesie entzündet, und akustisch sowieso.

An der Schmerzgrenze dröhnt die „Tabakpfeife“ (20 000 Euro), die über einen Schlauch mit einer Gasflasche verbunden ist. Aus dem Pfeifenkopf schießt eine kleine, weiße Kohlendioxid-Flamme mit monumentalem Getöse. Der ansonsten eher distinguierte Künstler feixt, als sich die Besucher die Ohren zuhalten, und dreht den Hahn rasch wieder zu. Auf die Frage, was das sei, antwortet Signer in schöner Umkehr des magritteschen Diktums: „Das ist eine Pfeife.“

Die drei weiteren Ereignis-Skulpturen wirken dagegen dann doch fast kontemplativ. Einen Klangteppich aus Ventilatoren breitet der „Runde Raum“ (50 000 Euro) aus. Durch das Rund aus Aluminiumblechen wehen die Lüfter eine Plastiktüte wie ein Blatt im Wind. Das Kalkül der (scheinbaren) Leichtigkeit treibt die „Installation“ (30 000 Euro) auf die Spitze. Abwechselnd pusten zwei Ventilatoren ein handelsübliches Metallfass zwischen sich hin und her.

Den Künstler in Aktion zeigt die vierteilige Fotoserie „Bürostuhl“ (10 000 Euro), wo Signer auf dem Bürostuhl von der Kraft zweier Raketen, die er in den Händen hält, angetrieben und gedreht wird, bis er sich im sprühenden Dampf in Luft aufzulösen scheint.

Seine Ereignis-Skulpturen entwickelt Signer bereits seit den siebziger Jahren – lange bevor das Ereignis zum Event verkam. Dem schlichten Spektakel widersetzt sich das Werk bis heute. Mit seinem spröden und hintersinnigen Charme bietet es Denkanstöße voller Sprengkraft – auch ohne Dynamit.

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