Romanserie "Sturmland" : Roter Sand über Schweden

Schweden im Klimawandel: Mats Wahl startet seine dystopische Romanserie "Sturmland" mit dem Band "Die Reiter".

Ulrich Karger
"Die Reiter", der erste Band der Romanserie "Sturmland" von Mats Wahl. Foto: promo
"Die Reiter", der erste Band der Romanserie "Sturmland" von Mats Wahl.Foto: promo

Elin hat gerade erst ihren 16. Geburtstag gefeiert, als sie zusammen mit ihrem älteren Bruder Vagn in einen Hinterhalt gerät und Vagn entführt wird. Die Polizei zu informieren ist sinnlos, deshalb beschließt der Familienrat, dass Elin sich auf die Suche nach Vagn macht. Wahrscheinlich hat ihn ein Nachbar entführt, dem Elins Familie eine Abfuhr erteilt hatte, als er ihr ein Ersatzteil abkaufen wollte. Doch auf der kurzen Strecke dahin lauern tödliche Gefahren...

Der preisgekrönte schwedische Autor Mats Wahl eröffnet mit „Die Reiter“ seine auf zehn Bände angelegte Romanreihe „Sturmland“. In ihr malt er eine Dystopie aus, die die Folgen eines Klimawandels vorwegnimmt.

In dieser Welt ist jeder ein potentieller Dieb

Demnach durchziehen etwa Mitte der 2060er ganz Schweden immer wieder heftige Stürme und anschließend legt sich ein feiner, rötlicher Sand über die betroffenen Landstriche. Die meisten Einwohner Schwedens sind längst unter Obhut und Kontrolle der Regierung in die Städte gezogen. Nur noch sehr wenige Familien leben auf dem Land. Diese Familien sichern ihre Häuser soweit möglich mit Stahlplatten, Fallen und Überwachungstechnik. Denn die Knappheit an lebensnotwendigen Ressourcen lässt jeden Besucher zum potenziellen Dieb, Räuber oder Mörder werden. Der Stand der Technik entspricht, soweit noch vorhanden, in etwa dem heutigen: die Regierung bringt Überwachungsdrohnen zum Einsatz, in den Häusern bilden wandgroße Monitore die Aufnahmen der Kameras ab und das Internet ist wichtigstes Medium für Informationen. Doch alles andere ist meist alt und reparaturbedürftig, zur Verteidigung werden Armbrüste genutzt.

Doch scheint bislang der Klimawandel allein ein Binnenproblem Schwedens zu sein und von Flüchtlingen aus anderen Ländern oder gar anderen Kontinenten ist keine Rede. Der erste Band geht nur am Rande auf die Rahmenbedingungen ein und setzt gleich mitten in der Handlung ein. Sie entwickelt von der ersten Seite an einen kräftigen Sog und macht sehr neugierig auf die Folgebände, in denen dann hoffentlich auch die klimabedingten Veränderungen (nicht nur) der schwedischen Gesellschaft noch ausführlicher erläutert werden.

Mats Wahl: Sturmland – Die Reiter. Band 1. Roman. Aus dem Schwedischen von Gesa Kunter. Hanser Verlag, München 2016. 253 Seiten. 14,90 €. Ab 14 Jahren.

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