Kultur : Rosemarys Babyspeck

Martin Schwickert

Als Ritter des schlechten Geschmacks haben sich die Gebrüder Farrelly in Hollywood einen Namen gemacht. Unvergessen bleibt das Kunstsperma im Haar von Cameron Diaz ("Verrückt nach Mary"), das fast so berühmt wurde wie das Präsidentensekret auf dem Kleid von Monica Lewinski. Mit ihrem infantilen Anarchismus pfeifen die Farrellys auf geschmäcklerische Empfindlichkeiten und "Political Correctness". Nun wollen die Berufslausebengel mit "Schwer verliebt" ihr Publikum nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Weinen bringen, und das Ergebnis ist wirklich zum Heulen.

Im Zentrum steht der verhinderte Weiberheld Hal (Jack Black), dessen Frauengeschmack sich eher an der Körbchengröße, als am Intelligenzquotienten orientiert. Erst als er von einem TV-Psycho-Guru im Aufzug hypnotisiert wird, erkennt Hal auch die inneren Werte der Menschen. So verliebt sich der Westentaschen-Macho Hals über Kopf in eine 150-Kilo-Frau. Als einziger sieht er deren innere Schönheit, die uns der Film im Körper der spindeldürren Gwyneth Paltrow präsentiert. Für Hal sieht die fettleibige Rosemary aus wie eine diätgestählte Oscargewinnerin. Das führt - logisch - zu Verwirrungen und Verwicklungen. Später zu Enthüllungen und Enttäuschungen und schließlich zur Versöhnung und Verlobung. Dazwischen darf gelacht werden, etwa wenn nach Rosemarys Sprung in den Pool Kinder mit Schwimmflügeln durch die Luft wirbeln. Kurz nur flackert hier die alte Lust am blödelnden Tabubruch auf, dann beginnt wieder der humanitäre Dauerbeschuss. Ausgerechnet mit dem verhärmten Luxuskörper von Gwyneth Paltrow gegen die Diskriminierung der Fettsüchtigen ins Feld zu ziehen - das ist genau jene Hollywood-Doppelmoral, gegen die die Farrellys früher einmal angetreten sind.

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