Kultur : Rost und Rest

Eine

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von Rüdiger Schaper

Die Berliner Opernstiftung ist eine schwere Porzellankiste – also größte Vorsicht geboten! Wahrscheinlich aber wird der Chefsessel jetzt dem Basler Opern und Theaterchef Michael Schindhelm angeboten. Auch um diese ungemein wichtige Personalentscheidung der Hauptstadtkultur hat es letzte Woche Zoff gegeben. Zur Abwechslung ging es um die professionelle Eignung des Kandidaten. Und nicht um seine Herkunft, seine Biografie.

Schindhelm kommt, wie man so sagt, aus dem Osten. Eigentlich eine überflüssige Bemerkung, fünfzehn Jahre nach dem Fall der Mauer. Doch die Ost-West- Baustelle Deutsches Theater bleibt. Rest- und Rost-Mentalitäten prallen aufeinander: hart und unversöhnlich. Im neuen „Spiegel“ beschreibt DT-Intendant Bernd Wilms auf drei Seiten seine bitteren Erfahrungen mit Teilungsschmerzen und Abgrenzungsbedürfnissen bei Schauspielern, Kritikern, Politikern. Wilms soll 2006 nach dem Willen von Berlins Kultursenator Thomas Flierl durch den Schriftsteller Christoph Hein ersetzt werden. Er wirft den ostdeutschen Wortführern „selbst erzeugten Verfolgungswahn“ vor. Und: „Es ist schon bizarr. Das flüchtige Medium Theater, das Scheinwelten produziert, wird konfrontiert mit der Scheinwelt DDR, der verlorenen, herbeiphantasierten. Es ist nicht vollends klar, was diejenigen träumen, die ihre DDR wiederhaben wollen. Klar ist bloß, dass sie’s nicht kriegen“. Wenn er da mal nicht irrt.

Personalpolitik, das lernen Flierl und seine Favoriten jetzt auf die harte Tour, ist in der Berliner Löwengrube eine Frage der Kommunikation. Leider: Wir haben in Berlin eine Ost-West-Debatte. Sie wird weitergehen. Auch Frank Castorf hat sich eigemischt und Hein mit fragwürdigen Komplimenten unterstützt. Wilms indes wird unversehens zum Ossi: Es war bei ihm nicht alles schlecht, heißt es schon heute über sein Deutsches Theater.

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