Kultur : Roter Teppich

KLASSIK

Carsten Niemann

Was haben Christoph Stölzl (CDU), Alice Ströver (Bündnis 90/Grüne), Wolfgang Brauer (PDS), Brigitte Lange (SPD) und Sibylle Meister (FDP) gemeinsam? Sie alle stehen für die kulturpolitische Kompetenz ihrer Parteien und haben sich glasklar für den Erhalt der Berliner Symphoniker ausgesprochen. Da auch Kulturpolitiker Angst vor der Blamage haben, sollte ihr Votum wohl genügen, um Vorfreude über die Rettung des Orchesters zu verbreiten. Und zu hoffen – statt aus gesundem Misstrauen immer wieder mahnende Zeilen über Zuwendungen, Tarifverträge und Protestaktionen vergeuden zu müssen – sich bald wieder ganz auf die künstlerische Leistung des Ensembles konzentrieren zu dürfen. Was könnte man allein vom Freitag abend in der Philharmonie erzählen! Zu allererst vom intonationsreinen, geschmeidigen Gesamtklang, aus dem das Orchester unter Lior Shambadal einen würdigen roten Teppich zum Beitritt Sloweniens und der Slowakei zur Europäischen Union webte (denn diesem Anlass war das Konzert gewidmet). Wie genau wollte man beschreiben, wie inspiriert das Ensemble in Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert mit dem wunderbar lyrisch intonierenden William Forman harmonierte! Wie differenziert müsste man das Zusammenwirken mit dem herrlichen Sopran Bernarda Finks in Mahlers Wunderhornliedern würdigen und den Dialog des Orchesters mit dem hochkarätigen Bariton Gustav Belacek beschreiben! (Letzterer könnte Textverständlichkeit und Wirkung noch verbessern, wenn er lange Vokale deutlicher dehnte). Sogar zur Risikofreudigkeit möchte man das Ensemble ermuntern, das der Konzentration auf den Klang bisweilen bewegtere Tempi oder differenziertere Wort-Tonbeziehungen aufopferte. Weil man sich doch auf den notwendigen Rückhalt verlassen könne.

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