Kultur : Rotwelsch

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Der kommt aus dem argentinischen Rotwelsch : Mit dem Gotan Project wird der Tango neu kodiert und erlebt seine letzte furiose Ausfahrt irgendwo bei Paris. Selten ist ein innovatives Vorhaben derart gefeiert worden. Denn nicht nur haben die drei Soundtüftler aus Argentinien, Frankreich und der Schweiz die klassische Instrumentierung des Tango durch moderne Elektronikbeats aufgepeppt. Sie nehmen mit viel Gespür für Ironie auch Image und Selbstverständnis der Gattung aufs Korn. Im Tränenpalast, wo das Gotan Project die Konzertreihe der „Blue Nites“ eröffnet, spielt die Band zunächst fast unsichtbar hinter einem weißen Leinentuch, auf dem sich Lichtspiele abzeichnen: Reflexe des Tango der 20er Jahre, als der Tanz noch hin und her gerissen war zwischen Bordell und Ballsaal. Und zu den wummernden Beats erscheinen auf der transparenten Leinwand galoppierende Gauchos und jubelnde Perón-Anhänger – Stereotypen argentinischer Identität. Nur der Fußball fehlt. Das Berliner Publikum allerdings hält ebenso wenig vom Tango-Purismus wie die Band und feiert einen neuen Rave vom Rio de la Plata. Neben den Rhythmus-Maschinisten an Computern und Plattentellern schmachten Bandoneon und Violine, perlt eine akustische Gitarre, raunt eine weibliche Stimme, und am Flügel sitzt Maestro Gustavo Beytelmann, der schon Astor Piazzolla begleitet hat. Das Zusammenspiel klingt so perfekt wie grandios: Weil es die Seele des Tango erleuchtet. Roman Rhode

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