Kultur : Rudolf Schmitz: Ware Subjektivität

Ronald Berg

Was ist ein Kunstkritiker? Bei der Verleihung des mit 20 000 Mark dotierten Carl-Einstein-Preises für Kunstkritik durch die Kunststiftung Baden-Württemberg in der Akademie der Künste suchten zwei Referenten eine Antwort darauf - und der Preisträger selbst: Rudolf Schmitz, freischaffender Journalist aus Frankfurt, bekannt durch seine Kritiken in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Beat Wyss, Leiter des Instituts für Kunstgeschichte der Uni Stuttgart, versuchte, die Tätigkeit des Kritikers für seine Zunft zu vereinnahmen: Er sei mit dem Exegeten kanonischer Texte vergleichbar und mache aus aktueller Kunst das Ergebnis einer historischen Frage - wobei er den Kritiker freilich flugs zum Historiographen reduzierte. Auch bei "zitty"-Redakteur Marius Babias blieb von der Profession des Kunstkritikers wenig übrig: Die treibende Kraft heute sei die "Ware Subjektivität", als die die Kunst auftrete, sagte er. Mit Kunstwerken kaufe und verkaufe man Lifestyle. Der sozio-funktionelle Unterschied zwischen Turnschuhen und Kunstwerken sei eliminiert. Nur Schmitz selbst verteidigte die Kritik - als Versuch, ein Loch offen zu halten, das der sprachgewordenen Erfahrung mit der Kunst Raum geben könne.

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