Kultur : Rückblick: Aufgebläht

Nicholas Körber

Muse sind altmodisch: Muse sind eine musikalische Popgruppe. Das eine und somit auch das andere stellten sie in der Columbiahalle nachhaltig unter Beweis. Die Rhythmus Sektion ist stark zurückgenommen, während die melodieführenden Instrumente, wie Gitarre, Piano oder Stimme den Sound dominieren. Die werden nämlich von Mathew Bellamy gespielt und drängen sich somit automatisch in den Vordergrund. Seine Stimme kennt keine Oktavbeschränkungen. Mühelos folgt sie seinen virtuosen Gitarrensoli in Höhen, wo anderen Sängern die Luft zu dünn wird. Wäre Mathew Bellamy nicht so schmalschultrig und würde er sich bei den Ansagen nicht auffällig schüchtern gebärden, könnte man glauben, er habe Muse nur gegründet, um mit seinem Genie zu prahlen. Das Gleiche gilt allerdings auch für seine Songs. Der Instrumentalist und Sänger Bellamy dominiert den Komponisten Bellamy in allen Belangen. Außer bei "Muscle Museum", dem Hit ihrer letzten CD "Showbiz", bleibt kein Refrain wirklich im Ohr hängen. Bei jedem Stück kann man über die musikalische Begabung staunen, aber nicht über die Melodien. Bellamy ist zweifellos unglaublich talentiert, dennoch macht er mehr Kunststückchen als Kunst. Aber gerade deswegen sind Muse live noch deutlich besser als auf ihren Studioerzeugnissen, denn bei ihnen ist das Entscheidende die handwerkliche Brillanz. Und die kommt umso mehr zur Geltung, wenn man dem Meister auf die Finger schauen kann. Und der macht wirklich fast alles selber: Nur bei zwei Songs konnte man Einspielungen vom Band hören. - Muse sind eben altmodisch.

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