Kultur : Rückblick: Ausstellung

Gabi Blome

Flauschige Fetzen, Kieselsteine, Stückchen von Holz und Rinde zur kleinformatigen Collage zusammengefügt. Schwebende Körper mit weichen Konturen. Ein kleiner Kiesel - ein Kopf, ein einzelner Wollfaden - der Hals. Die Stoffe sind simpel doch ausdrucksvoll: "Beim Dichter müssen alle Glieder gleich beweglich sein", erklärt der syrisch-libanesische Lyriker Adonis sein künstlerisches Schaffen. Adonis, einer der bedeutendsten Dichter der arabischsprachigen Welt, hat in der kurzen Zeit seines Aufenthalts am Berliner Wissenschaftskolleg eine größere Anzahl traumhafter Collagen geschaffen. In den stillen Kolleg-Räumen bilden die fragilen Schnipselarbeiten einen reizvollen Kontrast zu der behäbigen Gediegenheit des Gebäudes, in dem sie entstanden sind und nun zur Betrachtung ausgestellt wurden (nach telefonischer Voranmeldung 8900 11 17). Sie bilden ein Gegengewicht zum Lyrischen, doch taucht dieses Wort in der Stoff- und Holzpartikelkunst des Dichters nicht auf. Dessen Gedichte, in arabischen Schriftzeichen, umlaufen die Umrisse der Stoff-Gebilde als kaligraphisches Element, mal als Fond, aus dem die arrangierten Lumpenstückchen heraustreten, oder als Sprechblase, die über dem Ganzen schwebt. Die vorherrschenden Farbtöne sind die gedeckten Farben der Natur. Am Fuße eines dunklen Schattens ergießt sich eine blutrote Lache aus Filz und erzählt eine kleine Geschichte.

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