Kultur : Rückblick: Botschafter: Fischer-Z (Pop)

H. P. Daniels

Der Engländer John Watts und seine Band Fischer-Z haben seit ihrem Debütalbum "World Salad" von 1979 mit einer Mischung aus Reggae-Rhythmen und neu gewellter Pop-Melodik sowie mit einigen eingängigen kleinen Hits große Hallen gefüllt. Bevor sie in der Versenkung der 90er verschwanden. Nach einigen Soloalben und gelegentlichen Wiederbelebungsversuchen der alten Band ist der diplomierte Psychologe Watts nun wieder aufgetaucht mit einer neuen Reinkarnation von Fischer-Z. Und das ColumbiaFritz ist voller alter Fans, voller Erwartung, voller Neugier. Alte Stehlampen auf der Bühne, ein Sessel - als wäre es ein heimeliges Wohnzimmer. Verstärker und Schlagzeug sind verdeckt unter einem Meer von Blumen - als wäre es die amerikanische Botschaft. Watts kommt daher wie ein britischer Botschafter auf Urlaub: in weißem Hemd mit offenem Kragen, in schlabbrig dunklem Anzug und passender Schiebermütze. Halb zehn. "Sorry we are late - das Essen beim Italiener war zu gut!" Also schnell Gitarre um, Kabel rein. Und batsch-bapp, batsch-bapp - punkig geschrabbelte Akkorde zu einer Art Rap, Sprechgesang, Spoken-Word-Performance. Und gleich "Room Service", der alte Hit, kein alter Hut. Mütze weg. Kugelkopf. Klackklack. Literarisches zu Reggae-Pop mit Klackergitarre. Tosender Beifall. Jackett weg. Neue Songs, alte Songs. Von Watts neuerem Soloalbum "Spiritual Headcase" oder aus der großen Zeit von Fischer-Z vor 20 Jahren. Und alles passt zusammen. Hübsche New-Wave-Melodien, rasender Beat. Und wirkt die Rhythmus-Gruppe zwischendurch auch mal etwas hölzern, oder droht zu lahmen, dann reißt ihr dynamischer Bandleader sie immer wieder nach vorne. Kein Solo, keine Mätzchen. Watts hat alles im festen Griff, bringt den Saal zum Vibrieren, die Fans zum Singen: Bö-linn, Bö-linn. Und richtig gut singen sie, was selten ist. Und alle tanzen, wippen, hüpfen fröhlich und ausgelassen. Unerwartet schönes Konzert voller Charme und Energie.

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