Kultur : Rückblick: Charmantes Bitten

Philipp Lichterbeck

Eine nach der anderen und mit Bedacht die Schritte setzend schleichen die sieben Mädchen über die Bühne dem Licht entgegen. Vorsichtig bauen sie sich vor dem Scheinwerfer auf, der aus der Ecke strahlt und starren hinein ins Licht. Sie tragen Unterröcke, die so blau sind wie der Himmel an einem perfekten Tag im Mai, wenn man verliebt ist. Die Saiten eines Klaviers schwingen sehnsüchtig und treiben einem Tränen der Schwermut in die Augen. Es bleibt nicht das einzige Mal bei Lilith am Toten Meer. Die sieben wundersamen Schauspielerinnen wiegen sich und wogen und zaubern Landschaften auf das schwarze Linoleum des Orphtheathers, die von wahrhaftiger Schönheit sind, weil sie von Anfängen erzählen - von der Kindheit, vom ersten Verliebtsein - in denen immer schon das Ende und die Trauer darüber enthalten sind (wieder vom 6.-9.12. und im Januar). Es gibt keine Handlung in diesem Stück, nur Fragmente. Die Mädchen stellen sich vor das Publikum hin und bitten es einfach nur mal "Ja" zu sagen, dann stieben sie im Licht eines Stroboskops auseinander, aus diesem Chaos entspinnt sich das nächste aus Körpern, Licht und Musik choreographierte Bild. Hier sind keine professionellen Tänzerinnen am Werk, sondern junge Frauen, die sich gehen lassen und dann zurücknehmen, wenn das Stück feminines Selbsterfahrungstheater zu werden droht. Das Leitmotiv dieser mit Bewegungstheater treffend umschriebenen Vorführung ist der Satz Samuel Becketts, man solle sich doch einfach mal vorstellen, dies alles ende eines schönen Tages. Man möchte sich das aber gar nicht vorstellen: Die sieben Liliths könnten noch tagelang am Toten Meer spielen.

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