Kultur : Rückblick: Comedy: Die Pointenjäger

Nadja Geer

Was ist der Unterschied zwischen einem Rauhaardackel und einem Alien? Für Fabien Kachev, den französischen Comedy-Gott, gibt es keinen. Er erschießt beide mit Freuden in seinem fulminanten, nur auf Mimik und selbst produzierter Geräuschkulisse aufbauenden Jägers-Ketch. Er jault, trällert, knackt durch das Unterholz, sein Mund ein vielseitiges Instrument. Er verdreht die Augen, jabst wie ein Jagdhund, ist nicht mehr Jäger, sondern Dackel, der seinen letzten Atemzug haucht. Der Höhepunkt der United Slapstick Show 2001 ist erreicht. Zweieinhalb Stunden haben Kavech und seine Mitstreiter Andi Steil und Bülent Ceylan es geschafft, das Publikum in der Ufa-Fabrik aufs Beste zu unterhalten (bis 28.4.). Als familienfreundlicher, musikalischer Clown gibt sich Andi Steil. Er spielt Bongo auf dem IKEA Tischchen "Hau Dröff", präsentiert japanische Rhytmusgeräte mit denen man "seine Singleparty alleine feiern kann" und tanzt "Basketballett". Bülent Ceylan, als muskelbepackter Schönling Hassan, ist eher was für die Damen. Er spitzt die Lippen zum Kussmund, reißt die Augen auf und gefällt sich in der Rolle des gockelnden Machos. Mimt er jedoch einen älteren türkischen Gemüsehändler, tadelt er im Verbund mit Allah seine auf Weiber versessene Söhne und kümmert sich um seine im Bau befindliche "homepatsch": www.große-türkisch-supermarkt.de. Alle drei Komiker sind in ihren unterschiedlichen Sparten - Visual Comedy, Musik-Comedy und Parodie - wirkliche Könner und kommen sich nicht in die Quere. Wenn sie als dritte Zugabe dem begeisterten Berliner Publikum noch eine perfekt choreographierte Zeitlupenschlägerei bieten, wird auch dem Langsamsten klar: Die diesjährigen Gewinner des United Slapstick Festivals sind nicht nur als Solisten erstklassig und eine Bereicherung für die Szene, sondern auch als Team.

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