Kultur : Rückblick: Comedy: Eckball

Pamela Jahn

Ein echter Comedy-Held kennt keinen Schmerz. Keine Pointe zu brutal/banal, um sie dem Publikum nicht an den Kopf zu schmeißen. Die leidenswilligen Akteure des Comedy-Trios Theatre du Pain werfen sich zum Auftakt ihres Programms in der Kalkscheune (noch bis zum 11.11. täglich 20 Uhr 30) der "geprüften Zuschauerschaft" sogleich mit vollem Einsatz lauthals vor die Füße. Ohne Rücksicht auf physische oder psychische Verluste besingen, bespielen und malträtieren die drei Bremer Stadt-Komödianten das Terrain als ein Schlachtfeld aus Jux und Dallerei: In diversen irrwitzigen Trialogen und ausgiebigem Identitäten-Wechsel-dich erinnern sich die drei Herren in den schlecht sitzenden Anzügen an Ereignisse, bei denen sie gar nicht dabei waren, versuchen Allgemeinwissen aus einer Zitrone zu pressen, reibt sich der eine den Käse von der Fußsohle, während der andere über die Leiden eines unpazifistischen FC-Bayern-Fans philosophiert. Mitgehangen, mitgefangen - das gilt dann auch für alle anderen im eng bestuhlten Saal. Wer bei der Seifenlaugen-Schlacht in der trockenen Ecke sitzt, bekommt dafür zwei Minuten später die röhrende Kettensäge unter die Nase gehalten. Übersteht man die dadaistischen Super-Provokationen halbwegs passabel, kann man in den kurzen Unterbrechungen wenigstens das selbst komponierte, stimmlich elegant performierte Pop-Liedgut genießen. Es sind auf den ersten Blick schlüpfrige Mainstream-Schnulzen über die "Sehnsucht nach Camillo Felgen", die das Wesentliche des alltäglichen Wahnsinns, aber sagen. Allerdings nur denjenigen, die bereit sind, dort zu lesen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar