Kultur : Rückblick: Eindringlich: Lloyd Cole im Quasimodo

H. P. Daniels

Die Single "Perfect Skin" und das Album "Rattlesnakes" hatten Lloyd Cole 1984 schlagartig zum Star gemacht. Mit seinen "Commotions" füllte er mühelos größte Konzerthallen, jetzt ist er zurückgekehrt, in die kleinen Clubs: Rappelvoll ist das Quasimodo. Lloyd Cole stellt erstmal seine Gitarristin vor und läßt sie eine Runde alleine spielen. Jill Sobule ist eine zierliche Singer-Songwriterin mit guten Songs und einer schönen Stimme zwischen Rickie Lee Jones und Daisy Duck. Folkig, jazzig, rockig, witzig. Später tauscht sie die Akustikgitarre mit einer großen roten Gretsch, wird Gitarristin von Coles neuer Band. "The Negatives" machen einen positiven Eindruck: Rechts rickenbackert ein junger Mann in Schwarz. Dahinter ein Trommler, den man nicht sieht, aber gerne hört. Fröhlich federnd: ein fendernder Bassist. Und in der Mitte der 40-jährige Lloyd Cole mit freundlichen Augen, dunkelblauem Polohemd und Telecaster. Meister melodischer Midtempo-Songs. Alles strahlt so viel mehr Ruhe, Gelassenheit, Reife aus, obwohl die Band zwischen den Songs merkwürdig hektisch wirkt: Wieseln und Wuseln, Gitarrenwechseln. "Ihr müßt ja denken, wir seien besoffen", sagt Cole, fängts nächste Stück an, und sofort ist alles wieder wunderbar warm und ruhig. Beruhigt. Man würde nicht vermuten, dass zwischen den neuen und den älteren Songs über 15 Jahre liegen. Alles klingt gleichermaßen frisch und neu und aufregend. Ob "Negative Attitude" vom neuen Album oder "Rattlesnakes" vom ersten. In jedem Song spürt man Coles ungebrochene Leidenschaft und Seele für ungekünstelten Gitarrenpop. Die Band hüpft vor Begeisterung. Das Publikum hüpft mit und kann nicht genug bekommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben