Kultur : Rückblick: Einstimmig: Der Studio-Chor Berlin in der Philharmonie

Cordula Däuper

Wie kann man das Verdi-Jahr einmal anders feiern, als überall Verdis Evergreens - in Schulaulas, Opernhäusern, auf Open-air-Bühnen - erklingen zu lassen? Der Studio-Chor Berlin hat eine Alternative gefunden: Mit einem Werk, das von Verdi initiiert wurde. Nach dem Tod des Komponisten Gioacchino Rossini hatte Verdi vorschlagen, dem Kollegen zu Ehren eine Requiem-Messe zu schreiben, an der sich "die hervorragendsten Komponisten" Italiens beteiligen sollten. Heute kennt man zwar nur noch den Meister selbst, der die Messe mit einem "Libera me" beendet, aber zwölf weitere Zeitgenossen haben an der monumentalen "Messa per Rossini" mitgeschrieben. Und jeder dieser Rossini-Verehrer nimmt gebührend Abschied: Mit Vorliebe werden die volle Blechblasriege, Schlagwerk und Orgel eingesetzt. Joachim Geiger stemmt die Messe mit seinem großen Chor, dem stark erweiterten Schaffrath-Kammerorchester und fünf Solisten in der Berliner Philharmonie kraftvoll herauf, scheint aber als Dirigent den Massen nicht ganz gewachsen. Ungenaue Impulse nehmen der Musik streckenweise den Zusammenhalt. Spannung und Präzision gehen verloren. Ein kompositorischer wie solistischer Höhepunkt ist das "Ingemisco" von Alessandro Nini, in dem der junge Tenor Tomislav Mu"zek mit seinem lyrisch-leichten Schmelz ins mediterrane Italien verführt. Eine lohnende Ausgrabung, die erst 1988 - nach geplatzter Uraufführung 1869 in Bologna - in der Stuttgarter Liederhalle zum ersten Mal erklang. Zur Abwechslung mal kein Verdi-Requiem, wie es sonst zur Zeit allerorts erklingt. Die Studio-Chor-Fans jubeln.

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