Kultur : Rückblick: Film: Grätsche

Julian Hanich

Die Zuschauer poltern rein und raus. Zigarettenrauch wabert durch den Saal. Bier wird gekippt. Und ein paar Kleinkinder tapsen zwischen den Sesselreihen hindurch. Nee, dieser Abend in der Kulturfabrik ist keine soignierte Cineasten-Soiree. Das ist der Clash of Clans, das wüste Kurzfilm-Festival mit dem wilden Namen. Trash, Dreck und Trallala: Alles ist erlaubt! Eine Zensur findet nicht statt und Qualitätskontrollen schon gar nicht. Hier treten keine Filmhochschul-Profis an, sondern filmvernarrte Amateur-Ed-Woods und idealistische Nachwuchs-Schlingensiefs. Sie haben Banden gebildet, weil Einzelkämpfer nicht zugelassen sind. Sie haben sich räudige Namen zugelegt wie "Cumshot" und "Sunny Day Gore" oder hinter kryptischen Bezeichnungen versteckt wie "Hartgelb" und "Satt und Durstig". Und sie haben, dem Reglement entsprechend, jeder ein etwa 20-minütiges Programm zusammengebastelt. Bei sieben wildgewordenen Filmhorden macht das zusammen knapp zweieinhalb Stunden Kurzfilm-Programm, das in Endlosschleife wiederholt wird - bis der Morgen dämmert. Gähn. Da kommt viel zusammen: Traumfrauen explodieren, deutsche Provinzbullen vögeln New Yorker Drogencops und quicklebendige Mumien murksen Nazis ab. Das reicht von der "Indiana Jones"-Parodie zur Kurzreportage über Kolumbien, vom Splatterfilm bis zum Blick in den Massentier-Wahnsinn der Hühnerfabriken. Eine Geschichte zu erzählen, gelingt selten. Und nicht nur der Ton klingt hohl. Irgendwie erinnert das alles an ein Freizeitkicker-Turnier, bei dem sich dilettierende Bierbäuche blutgrätschend niederstrecken. Aber auch beim Freizeitfußball fallen manchmal ansehnliche Tore. Und Dabeisein ist, wie immer, alles.

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