Kultur : Rückblick: Jazz: Mandelsplitter

Johannes Völz

Die Zugabe als Resümee eines ganzen Abends: Jacky Terrasson spielt sein Stück "Happy Man". Und happy sind sie wirklich alle: Die Zuhörer, die Veranstalter - denn endlich, am letzten Abend der "Blue Nites", ist der Tränenpalast endlich voll - und die drei Musiker sowieso. Jacky Terrasson kreist über der Tastatur des Flügels, mit zuckenden Armen. Die Finger führen ein Eigenleben, und landen sie auf den Tasten, stößt Terrasson Lustschreie aus. Bassist Sean Smith sieht mit Mittelscheitel und Schnurrbart aus wie ein Bänker, doch er hat eine kluge Lösung parat. Beugt sich ganz tief über seinen Kontrabass, bis die Zuhörer nur noch seinen Nacken sehen. Ganz unten auf dem Griffbrett zupft er seine Solo-Motive, höchstes Register, als spielte er Cello. Neben ihm trommelt Leon Parker, ganz simpel, ganz klar. Unverwechselbar das Ticken seines Cymbal-Anschlags. Mit ganzer Kraft dann auf die Tom-Drums, dabei so strukturiert, als singe er ein Lied. Herausragend an diesem Abend sind sie alle drei. Denn sie hören einander ganz genau zu, reagieren pfeilschnell. Und sie durchqueren das ganze Feld der Dynamik. Macht deshalb überhaupt nichts, dass sie sich neben den französischen Chansons, die Terrasson für seine letzte Platte - Paris - ausgesucht hat, auch die alten Standards vornehmen. Wie Herbie Hancocks entspannten Sommer-Sonne-Palmenstrand-Klassiker "Cantaloupe Island". Da üben sie sich im Minimalismus. Ganz locker Leon Parkers Groove, ganz sparsam Jacky Terrassons Läufe. Mitten im Stück wechselt er ans Fender Rhodes: Phänomenales Solo, dank all der Töne, die er nicht spielt. Am Ende muss eine zweite Zugabe her. Sie wählen Ravels Bolero. Was für eine funky Melodie.

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