Kultur : Rückblick: Jazz: Straßenkampf

Johannes Völz

Wenn Wolfgang Haffner am Schlagzeug sitzt, erinnert er an den Cop eines B-Movie. Er überwältigt den Groove mit beiden Händen und führt ihn wie einen Delinquenten ab. Dass Gesetze auch für Polizisten gelten, ist ihm ganz egal: Provozierend tänzelt er um seinen Gefangenen herum, und wenn der Groove die Flucht ergreifen will, schlägt Haffner zu, erbarmungslos, auf zwei und vier. Das macht er so kraftvoll und präzise wie kaum ein Drummer in Deutschland. Trotzdem machte sich immer, wenn Wolfgang Haffner in den letzten Jahren ein neues Projekt ankündigte, ein mulmiges Gefühl breit. Denn skrupellos wirkt auch seine Technik, die Sounds der letzten drei Jahrzehnte zusammenzumischen. Hip klingt das nur gelegentlich, wenn er die Wah-Wah-Klänge der Siebziger mit dem Acid-Jazz der Neunziger verbindet. Einen Tritt in den Magen aber verpasst er dem Hörer, wenn er plötzlich säuselnde Panflöten vom Synthesizer einschiebt. In der Popmusik haben die achtziger Jahre ihr Revival schon beinahe hinter sich, im Jazz sind sie noch lange nicht rehabilitiert. Daran krankt auch die neue CD "Urban Life", die trotz der James Brown-Bläser Fred Wesley und Pee Wee Ellis zu kommerziellem Smooth Jazz gerät. Ein Glück, dass Tony Lakatos und Magnum Coltrane Price die CD-Präsentation im A-Trane retten. Sie sind das Gangster-Team: Lakatos, der Aufbrausende, der auf dem Tenorsaxofon durch die Harmonien spurtet, der Ton voll, die Motive klar. Ihnen ist Wolfgang Haffner auf den Fersen. Ein unterhaltsamer Plot, wären da nur nicht die Nebenfiguren, die aus dem Hardboiled-Funk ein Melodram machen wollen.

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