Kultur : Rückblick: Jazz: Verführerin: Dee Dee Bridgewater im Haus der Kulturen der Welt

Johannes Völz

Am Ende schnellen die Zuhörer aus ihren Sitzen, gleichzeitig, ohne zu zögern, als hätte ihnen jemand ein Signal gegeben. Standing Ovations, minutenlang. Dee Dee Bridgewater hat ihren Charme versprüht bis in die letzte Reihe des großen Auditoriums im Haus der Kulturen der Welt. Kaum zu fassen, die Flamboyance der 51-Jährigen: Wie sie eben noch das Publikum zum Lachen bringt und plötzlich zu flirten beginnt, erst mit dem Posaunisten, dann mit dem Publikum - und richtig, Musik macht sie ja auch noch. Als eine der fünf besten Jazzsängerinnen hat sie sich in den Neunzigerjahren mit Tributalben für Horace Silver und Ella Fitzgerald durchgesetzt. Nun verwandelt sie Songs von Kurt Weill in charmante Melodien, unterlegt mit Latin-Rhythmen von Schlagzeuger André Ceccarelli und dem Perkussionisten Minino Garay. Doch Bridgewater braucht die Melodien nur als Ausgangspunkt, eigentlich dreht sich alles um ihre Verführungskünste. Da summt sie mal leise, lässt die Töne mit flimmerndem Vibrato ausklingen, da scattet sie mal aufgekratzt und imitiert die Growl-Effekte der Trompete. Das Verblüffende: Ihr Optimismus, changierend zwischen Albernheit und Sex-Appeal, durchströmt ihre Musik genau wie ihre Bühnenshow. Das macht Dee Dee Bridgewater so glaubwürdig. Und unwiderstehlich.

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