Kultur : Rückblick: Kabarett: Schwarze Haare

Johannes Völz

Ein Abend wie ein Witz. Frage: "Warum ist der Humor in Deutschland so langweilig?" Antwort: "Weil hier Witze zuerst ausdiskutiert werden." So auch, allen Ernstes, die Strategie der Friedrich-Ebert-Stiftung bei ihrem Versuch, die Verwicklungen von Political Correctness und Humor zu entwirren. Da diskutierten erst mal die beiden türkischstämmigen Spaßproduzenten Sinasi Dikmen und Hussi Kutlucan mit der Ausländerbeauftragten der Bundesregierung, Marie-Luise Beck, über Erlaubtes und Verbotenes. Und nach Häppchen und Wein bestieg Dikmen die Bühne noch einmal, diesmal mit seinem Kabarett-Programm "Wenn der Türke zweimal klingelt". Damit musste er den Abend retten nach einer Diskussion, die im Konsens verebbt war. Dieser lautete, dass, erstens, alles nicht so schlimm sei und, zweitens, alle einen Knacks weghätten, egal woher sie kommen. Auch Dikmen fiel in seinem Programm außer der üblichen Hybriditäts-Utopie nicht viel ein. Ein schwäbischer Hausmeister verlernt seinen Dialekt, weil die Mieter Türken, Italiener und Schweizer sind. Der Hausbesitzer ist Türke, wird aber zum Schwaben, indem er dem echten Schwaben verbietet, sein Fahrrad an die Jugendstilfassade zu lehnen. Eine neue Spielart der Political Correctness zeichnet sich ab: Man darf über jeden alles behaupten, so lange alle ihr Fett abkriegen. Doch die Widerhaken der Realität glättet das noch lange nicht. Sie durchbohrten Dikmens eigenen Diskussionsbeitrag: "Deutsche sollen keine Türkenwitze machen, man nimmt sie ihnen nicht ab." (Nächste Termine: 7. 11. mit Sedar Somuncu, 4. 12. mit Shenangigan Bothers, Anmeldung unter Fax 269 35-859 oder LBBmail@fes.de ).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben